|
Was zieht uns nach Thailand?
von Günther Ruffert
druckbare Version
(28 A4-Seiten) |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Im vergangenen Jahr wählten fast eine halbe Million
Deutsche Thailand als Urlaubsziel. Was ist es nun, das uns
Deutsche über 10.000 Kilometer und 12–15 Flugstunden auf die
andere Seite der Welt zieht ?
Thailand ist das Land in Asien, das die meisten Besucher
anzieht, und das mit gutem Grund. Es besitzt eine
einzigartige Kultur, eine reiche und vielfältige Tradition
und reizvolle Naturschönheiten. Man kann die goldverzierten
Türme und steil aufragenden Dächer der buddhistischen Tempel
bewundern, man findet eindrucksvolle Ruinen versunkener
Reiche und noch viele andere Sehenswürdigkeiten, die diesem
Königreich, dessen eigenständige Geschichte über 700 Jahr
zurückreicht, seine Identität verleihen. Im Norden gibt es
noch vom Dschungel bedeckte Berge und verschwiegene Täler
mit exotischen Volksstämmen, wie Meos und Karen. An
südlichen Gestaden kann man sich abseits des
Touristenrummels an noch fast unberührten Stränden und
Inseln wie Robinson fühlen. Was immer die persönlichen
Interessen und Neigungen des Besuchers sind - Thailand wird
vor allem beim ersten Besuch ein einzigartiges Erlebnis
sein, voller exotischer Wunder, die man sonst kaum finden
kann.
Es gibt allerdings auch manche Dinge in diesem Land, die
dem europäischen Besucher wenig anziehend vorkommen. Das ist
vor allem die Art und Weise wie man versucht, die - nach
Thai-Begriffen - insgesamt reichen Touristen auszunehmen.
Das ist ferner die Korruption auf allen Ebenen, und auch die
rücksichtslose Art, wie die Thais mit ihren natürlichen
Ressourcen umgehen. Jeder Besucher wird dieses Land nach
seiner Rückkehr danach beurteilen, wie sich seine
persönlichen Erwartungen erfüllt haben. Diese persönlichen
Erwartungen sind individuell ganz unterschiedlich. Da gibt
es die sogenannten Flugbarkenner (sie kennen von Thailand
nur den Flughafen in Bangkok und die Bar in Pattaya, wo sie
sich jeden Abend vollaufen lassen und auf Mädchenjagd
gehen), kurz gesagt Leute welche nur der Barrummel und
Sexbetrieb interessiert. Da sind die Menschen die nach
Thailand reisen, um ein paar Wochen an den sandigen und
palmengesäumten Stränden, das schöne Wetter zu genießen und
sich einfach auszuruhen und Kraft für den täglichen Streß zu
tanken. Sie lernen wohl einige landschaftliche Schönheiten,
aber kaum die Menschen kennen, mit denen sie nur als
dienstbare Geister in Kontakt kommen. Da gibt es aber auch
immer mehr Touristen, die außer den Sehenswürdigkeiten, den
Stränden im Süden, den tropischen Wäldern im Norden und den
goldenen Tempeln im ganzen Land, auch an den Menschen, ihrer
Kultur und Lebensweise interessiert sind, und durch
Vergleich ihrer eigenen Probleme mit den Lebensumständen der
Menschen auch etwas mit nach Hause nehmen wollen, was sie
den Tagesstreß mit anderen Augen sehen lässt.
Welches sind nun die Gründe, die den Europäer, oder
Farang wie die Thai alle Fremden weißer Hautfarbe, nennen
nach Thailand bringen ?
Die Sextouristen
Wenn man als Mann in Deutschland einem Bekannten erzählt,
daß man im Urlaub nach Thailand fahren will, geht ein
wissendes Lächeln über sein Gesicht das ausdrückt," du bist
also auch so einer". An diesem, durch Presse und Fernsehen
geprägten Bild Thailands, als ein einziges großes Bordell
ist zwar die Regierung in Bangkok nicht ganz unschuldig. Es
ist aber eine völlige Verzerrung der Zustände in diesem
Land, und eine Beleidigung für die sich überwiegend mit
schlecht bezahlter Arbeit ihr mageres Auskommen verdienenden
Bewohner des Landes.
Wer als Sextourist nur nach Thailand fährt um seine
sexuellen Gelüste zu befriedigen, macht rein kommerziell
gesehen ein schlechtes Geschäft. Für die ca. 5000 DM, die
ihn ein 3-wöchiger Aufenthalt in Pattaya insgesamt kosten
wird, kann er in einem deutschen Bordell seine Lenden
billiger erleichtern. Es muss also noch etwas anders sein,
was den deutschen Mann zu den Mädchen an den Bars der
Touristenhochburgen zieht. Es ist nicht nur der reine Sex,
sondern die Mischung aus Anmut und Naivität, die allerdings
gepaart ist, mit einem durch wenig moralische Bedenken
gehemmtes Bemühen, aus dem verliebten Gockel so viel wie
möglich rauszuholen.
Die Urlauber
Es sind aber zunehmend nicht nur alleinstehende Männer,
die es nach Pattaya und Phuket zieht, sondern zunehmend auch
Ehepaare, die dorthin reisen, um ein paar schöne
Urlaubswochen zu verleben. Das Erstaunliche ist nun, daß
trotz vieler Dinge, die wie verschmutzte Strände, Lärm und
Abzockerei, für deutsche Augen wenig attraktiv sind,
trotzdem die meisten im nächsten Urlaub wieder nach Thailand
fahren. Sie sind vom "Thailand-Virus" angesteckt worden.
Thailand und vor allem Pattaya ist auch ein
Einkaufsparadies Man bekommt hier fast alles preiswerter als
in Deutschland. Modische, billige Textilien, die beliebte
Thai-Seide, Edelsteine und Schmuck, Gold, von Künstlern
gemalte Portraits, Antiquitäten, Töpferwaren, Handarbeiten
aus allen Landesteilen, Lackarbeiten und vor allem Imitate
sind der Renner.
Obwohl in Thailand seit fast einem Jahrzehnt das
Copyright-Gesetz gilt und Pattayas Händler in ständiger
Angst vor Razzien der Polizei leben, gibt’s stadtweit
Plagiate. Falsche Uhren mit der Aufschrift Rolex oder
Breitling, Jeans von Calvin Klein, Windjacken von Ferrari,
Sportbekleidung von Nike, Hemden von Boss, sowie
Reisetaschen und Koffer von Louis Vuitton, werden überall in
den Straßenboutiquen feil geboten. Alles zu einem Bruchteil
der in Europa für Originale geforderten Preise
Die Expats
Ist jemand erst mal richtig vom Thailandvirus, befallen,
so wird ihm der Gedanke kommen, sein Leben, bzw. den Rest
seines Lebens in Thailand, zu verbringen..
Hier gilt natürlich wie in jedem guten Krimi zunächst
einmal der Satz "cherchez la femme". Für fast alle war eine
Thai-Frau der Anlaß sich in Thailand zu etablieren. Auch
wenn die Verbindung nach einiger Zeit wieder in die Brüche
geht, wird in den meisten Fällen eine neue Thai-Frau die
Stelle einnehmen. Es ist schwer zu definieren, was für
Farangs den besonderen Reiz der Thai Frauen ausmacht. Der
Traum manches Macho, daß er hier ein unterwürfiges und ihm
in allen Dingen zu Diensten stehendes Wesen finden kann,
wird bald ausgeträumt sein. Thai-Frauen haben, bei allem
sanftmütigen Äußeren einen eisenharten Kopf, und wissen ihre
Interessen durchzusetzen. Wenn es geht mit Liebe und
Schmeichelei, wenn es sein muss, aber auch mit harten
Argumenten. Vor allem haben sie – wie alle Thais –
erhebliche Schwierigkeiten, eine andere Meinung als ihre
eigene zu akzeptieren. Es sind aber außer den Frauen noch
viele andere Dinge die dem Expat an Thailand gefallen, und
die ihm das Leben hier anziehender erscheinen lassen als in
Old Germany.
Wenn es bei uns in Deutschland kalt und ungemütlich wird,
kann man hier tagsüber am Strand liegen und abends draußen
sitzend den Sonnenuntergang genießen und mit Freunden ein
Bier trinken. Man kann sich auch für wenig Geld in
unzähligen kleinen Restaurants und Garküchen satt essen. Die
gebotene Auswahl ist nicht zu verachten, und gut schmecken
tut es in der Regel auch. Man kann selbst in kleineren Orten
abends in einem Thai-Restaurant sitzend beim Essen hübschen
Girls auf der Bühne beim Singen zuzuhören und zuzuschauen,
Man kann unter Benutzung eines enggeknüpften Flug-,
Schienen- und Busnetzes preiswert im ganzen Land
herumreisen. Natürlich kann man auch mit dem eigenen
Fahrzeug unterwegs sein, und da die Treibstoffpreise trotz
allem Gejammer der Thais nur einen Bruchteil dessen
betragen, was wir an deutschen Tankstellen blechen müssen,
ist es gar nicht mal so teuer. Vorsicht ist allerdings beim
Straßenverkehr immer geboten, da Thai - Fahrer die Existenz
anderer Verkehrsteilnehmer nur als ärgerliche Tatsache zur
Kenntnis nehmen. Ein Grossteil der Fahrer hat keinen
Führerschein. Wenn sie aber einen Führerschein besitzen,
haben sie zu dessen Erwerb bestenfalls eine rudimentaire
Kenntnis der Verkehrszeichen nachweisen müssen. Eine Pflicht
zum Besuch einer Fahrschule, mit anschließendem Nachweis der
erworbenen Fahrkünste kennt man in Thailand nicht.
Es gibt natürlich auch Dinge in Thailand, die den Farang
stören, oder gegen den Strich gehen. Wenn er aber erst mal
gelernt hat, all die Dinge die nicht so laufen wie man es
von zu Hause gewohnt ist, mit einer gewissen Toleranz zu
betrachten, dann werden im Laufe der Zeit diese störenden
Dinge in den Hintergrund treten. Wer allerdings erwartet,
daß er alles hier so vorfindet wie zu Hause, oder meint, daß
die Thais sich so verhalten müßten, wie er es sein Leben
lang von seinen Mitmenschen gewohnt war, der wird hier nicht
glücklich werden. Um ein zufriedenstellendes Zusammenleben
und Akzeptanz in einer Thai-Umgebung zu erreichen braucht es
eine nicht geringe Anpassungsfähigkeit an Land, Leute und
Kultur, vor allem muss die Toleranzgrenze weit höher liegen
als in Europa. Natürlich hat jeder sein eigenes Rezept, um
sich mit den Gegebenheiten des Landes zu arrangieren. Wenn
man hier im Land leben will, wird man je nach den eigenen
Charaktereigenschaften all die Dinge die einem zunächst auf
die Nerven gehen verdrängen, verarbeiten, oder phlegmatisch
tolerieren. Um als Farang in Thailand zufrieden zu leben,
ist es erforderlich die Thai-Gesellschaft zu verstehen.
Verstehen heißt nicht etwa alles gutheißen, auch mir geht in
Thailand manches gegen den Strich, und gegen meine
angeborene oder angelernte Auffassung von Sauberkeit,
Ordnung und vernünftigen Leben. Es ist aber doch wohl
unbestritten, daß wir Farangs anders fühlen, denken und
handeln wie Thais. Man muss dann als vernünftiger Mensch
auch akzeptieren, daß die Thais in ihren Land so leben, wie
sie es gewohnt sind, und nicht wie man als Farang es gerne
möchte; kurz man muss versuchen sich anzupassen und
einzurichten. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach,
und erfordert neben Toleranz, vor allem auch den Willen zu
ergründen, warum die Thais so fühlen und handeln, Man sollte
vor allem versuchen zu begreifen, daß die Thais die Sache
von ihrer Seite her sehen, und sagen "die Farangs fühlen,
denken und handeln anders als wir Thais. Aber wenn sie in
unserem Land leben, dann sollen sie sich gefälligst an die
Spielregeln halten die hier seit Jahrhunderten gelten, und
die dafür sorgen, daß unsere Thai Gesellschaft
funktioniert."
Unter den Langzeit Residenten hier in Thailand gibt es im
wesentlichen 3 Typen:
Da sind zum einen Leute die es geschafft haben, sich eine
schöne Existenz aufzubauen, im übrigen aber, außer
geschäftlich, mit Thais wenig zu tun haben, und die im
übrigen in den Jahren die sie in Thailand leben gelernt
haben, mit den Problemen, die sich aus dem beruflichen
Kontakt mit Thais ergeben fertig zu werden, ohne einen
Herzinfarkt zu bekommen
Da sind dann zum anderen die Leute, meistens Rentner, die
das schöne Wetter und das relativ preiswerte Leben in
Pattaya oder Phuket genießen, aber ebenfalls außer mit ihrer
Bettgenossin kaum Kontakt mit Thais haben. Sie haben sich
abgekapselt und leben in einer Enklave.
Und da sind dann zum dritten die Leute, die sich aus
unterschiedlichen Gründen dazu entschlossen haben, z.B. im
Isaan (da in der Regel die Frau die sie hier hergebracht hat
aus dieser Landesgegend kommt) zusammen mit Thais zu leben.
Dazu ist zum einen erforderlich, daß man die Verschiedenheit
der Thai Denk- und Handlungsweise akzeptiert, und vor allem
nicht versucht die Menschen mit denen man zu tun hat zu
überzeugen, daß ihr Handeln falsch ist. Natürlich ist es
notwendig gewisse Schranken zu setzen und auch
durchzusetzen. Hierfür nur ein Beispiel. Jeder Farang der in
einer Thai Familie wohnt hat das Problem mit dem
Familienkühlschrank. Alle Familienmitglieder bedienen sich
ungeniert mit allem was er sich im Supermarkt einkauft, egal
ob Bier, Wurst oder Marmelade. Da alles Gerede und
Geschimpfe hier auf taube Ohren trifft, ist die einfachste
Lösung, sich einen eigenen Kühlschrank zu kaufen, und der
ganzen Familie klar zu machen, daß niemand zu diesem
Kühlschrank Zutritt hat.
Dieses Land hat dem Farang viel zu bieten. Jeder macht
seine eigenen Erfahrungen mit Thailand und lernt das Land je
nach seinem Gesichtspunkt und persönlichen Wertvorstellungen
auch von unterschiedlichen Seiten kennen. Der eine war nur
da um sich in Pattaya zu amüsieren, der andere hat sich nur
Tempel und Museen angeschaut, und der dritte hat sich nur
mit seiner (zukünftigen) Frau und deren thailändischer
Familie beschäftigt. Die Besucher, die aber bereit sind die
Augen und das Herz für die Menschen hier zu öffnen, und auch
bereit sind ihre eigene Kultur und Denkweise in Frage zu
stellen, die werden sehr oft von einem Syndrom befallen, das
man den Thailand-Virus nennen könnte. Sie kommen immer
wieder zurück, oder denken gar daran sich auf Dauer in
Thailand niederzulassen. oder überlegen zumindest ihren
Lebensabend hier zu verbringen.
|
|
|
Wahre Liebe an der Bar? von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten
aus Thailand,
Farang
in Thailand.
Jeder Farang der nach Thailand kommt, egal ob als an dem
Land interessierter Tourist, oder als nur an den süßen
Thai-Mädchen interessierter Mann, er wird nicht darum kommen
den Betrieb an den Bars zur Kenntnis zu nehmen, und sich
dann individuell ganz unterschiedliche Meinungen zu bilden.
Der mit Ehefrau anreisende Pauschaltourist wird das Ganze
vielleicht mehr oder wenigen abstoßend finden (zumindest
seiner Frau gegenüber), während der nur an den Mädchen
interessierte "Sextourist" die ihm hier gebotenen
Möglichkeiten in vollen Zügen genießt. Wenige machen sich
aber Gedanken darüber, warum jeder Europäer, auch wenn er
die ihm angebotenen Liebesdienste gerne nützt, im Grunde all
dies als zutiefst unmoralisch empfindet, während die Thais
augenscheinlich wenig Probleme damit haben, wenn die Mädchen
an den Bars ihren Körper gegen Entgelt zur Verfügung
stellen. Welches sind nun die tieferen Ursachen dieser
unterschiedliche Beurteilungen ?
- Die Einstellung aller Farangs zum Sex, vor allem zum
käuflichen Sex, ist durch zwei Jahrtausende
Kirchengeschichte geprägt. Keiner kann sich ganz davon
frei machen, auch wenn er schon lange aus der Kirche
ausgetreten ist; das steckt sozusagen in den Genen. Die
christlichen Kirchen, und noch heute die katholische
Kirche, hielten Geschlechtsverkehr selbst zwischen
Eheleuten immer dann für Sünde, wenn er nicht
ausschließlich zum Zwecke der Nachwuchserzeugung
erfolgte. Sex nur zur Befriedigung tiefsitzender
menschlicher Bedürfnisse wurde grundsätzlich als
verwerflich angesehen. Was allerdings die Männer vom
Kardinal bis zum Straßenkehrer nicht daran hinderte sich
zumindest heimlich diesen Genuß zu verschaffen. Das
Jesus aber eine andere Meinung über die käufliche Liebe
hatte als die Kirche heute predigt, kann jeder im neuen
Testament nachlesen. Jesus hielt sicher mehr von der
"Hure" Magdalena als von frommen Pharisäern und reichen
Philistern. Bei der moralischen Verurteilung der Mädchen
die in Thailand an den Bars ihr Geld verdienen, sollte
man nicht nur die wirtschaftlichen Zwänge,
berücksichtigen, sondern fairerweise auch gleiche
Maßstäbe anlegen. Der Mann bezahlt für Sex, das Mädchen
läßt sich für Sex bezahlen. Wieso ist das eine moralisch
verwerflicher als das andere ?
Die anderen großen
Religionen haben eine andere Einstellung zum Sex. Die
muslimischen Kämpfer der Hisbollah gehen noch heute
freudig für Allah in den Tod, weil ihnen ihre Mullahs
lehren, daß nach ihrem Opfertod im Paradies die Houris
mit offenen Armen (und wie sie wohl als
selbstverständlich annehmen auch mit offenen Schenkeln)
auf sie warten.
Wer das Wat Phra Kheo in Bangkok besucht, welches das
thailändische Nationalheiligtum, den Emerald-Buddha
beherbergt, der wird, wenn er an der das Kloster
umschließenden Umfassungsmauer entlang geht, dort mehr
blanke, runde Busen sehen, als jemals im Playboy
erschienen sind.
- Die Mädchen die der Farang an den Bars trifft, sind
im buddhistischen Grunddenken erzogen worden. Dieses
unterscheidet sich in der Beurteilung geschlechtlicher
Beziehungen wesentlich von der Lehre der christlichen
Kirche. Hinzu kommt, das Thais ganz allgemein einen
wesentlich pragmatischeren Charakter haben als Farangs.
Die sich daraus ergebende Anpassung der Lehren Lord
Buddhas an die Erfordernisse des täglichen Lebens,
kommen dem Farang oft arg wunderlich vor. Wenn er z.B.
sieht, wie die "käuflichen Mädchen", bevor sie ihren
Dienst an der Bar antreten, eine Räucherkerze vor dem
Buddha Bild in der Ecke des Lokals anzünden und mit
gefalteten Händen ein kurzes Gebet verrichten, dann kann
der Farang nur mit dem Kopf schütteln. Wenn die
Barmädchen einmal in der Woche ins Kloster gehen, um
dort zu opfern, werden die Jünger Buddhas im gelben
Gewand die Opfer der Mädchen gerne annehmen, und sie mit
geweihtem Wasser besprengen, keiner wird aber den
Versuch machen, die Mädchen zu ermahnen von ihren
unmoralischen Tun abzulassen.
Erst recht Mühe hat der
Farang zu verstehen, welche Einstellung die Familien der
Mädchen auf dem flachen Lande zu dem Tun ihrer Töchter
in Pattaya und Phuket haben Es ist keineswegs so, daß
dort sexuelle Beziehungen zwischen jungen Männern und
Mädchen toleranter beurteilt werden als bei uns. Ganz
das Gegenteil ist der Fall. Zwei verliebte Thais, ja
selbst Eheleute, werden sich nie in der Öffentlichkeit
umarmen oder gar küssen, und Geschlechtsverkehr zwischen
jungen Leuten ist erst dann erlaubt, wenn das Paar von
den dafür zuständigen Mönchen oder vom Dorfschamanen in
Gegenwart des ganzen Dorfes eingesegnet worden ist. Daß
diese Verbindungen dann nicht durch gesetzliche
Vorschriften, wie etwa den Zwang beim Verlassen der
Familie für Frau und Kinder Alimente zu zahlen
zusammengehalten werden, ist ein weiterer Unterschied zu
den Verhältnissen bei uns, und der Grund dafür, daß
viele Thai-Männer sich nach ein paar Jahren eine andere
Frau nehmen und Ehefrau samt Kindern einfach sitzen
lassen. Es ist dann ausschließlich Sache der Familie der
Frau, die Kinder zu ernähren und aufzuziehen. Hier
helfen dann wieder die für Thais typischen
Familienbande. Die Eltern werden in der Regel die
Versorgung der Kinder übernehmen, wenn die Tochter in
die große Stadt oder nach Pattaya muß um das nötige Geld
für ihren und der Familie Lebensunterhalt zu verdienen.
Hier noch einige kurze Beispiele zur Einstellung der
Thais zu dem was sich schickt und was nicht.
Auf dem Lande ist es oft noch üblich, daß alte Frauen
zu Hause 'oben ohne' herumlaufen, aber eben nur die
alten Frauen. Als ich meine Frau einmal scherzhaft
fragte, warum nicht auch die jungen Mädchen und Frauen
ihre doch viel ansehnlichere Busen offen tragen, bekam
ich entrüstet zur Antwort 'das würde doch nur die Lust
der Männer anregen'.
Wie Thais diese Dinge sehen, hat mir einmal meine
Thai-Frau auch einmal klargemacht, als sie sah, wie am
Swimmingpool unseres Hotel in Pattaya ein paar junge
Farang Frauen sich oben ohne sonnten. Sie war der
Ansicht, daß sich jede Thai-Frau schämen würde, sich so
vor fremden Männern zu zeigen. Als ich sie daraufhin
daran erinnerte, daß wir am Tag vorher in einer
Go-Go-Bar gesehen hatten, wie sich blutjunge
Thai-Mädchen halb oder ganz nackt präsentierten, meinte
sie, das wäre doch etwas ganz anderes. Schließlich
würden die Mädchen dort arbeiten und bekämen gutes Geld
dafür.
Die Bilder appetitlicher Nackedeis, die wir jeden Tag
auf der ersten oder letzten Seite von "Bild" bewundern
können, würde keine Thai-Tageszeitung bringen. Wenn es
doch einmal notwendig ist, zur Illustration einer
gebrachten Nachricht ein Bild zu bringen, auf dem ein
nackter Frauenkörper zu sehen ist, werden primäre und
sekundäre Geschlechtsmerkmale mit Streifen überdeckt.
Als meine Frau einmal in Deutschland zu Besuch war,
zeigte ihr meine 25 Jahre alte Nichte ihr Apartment. Auf
die Frage meiner Frau, ob sie denn in der schönen
Wohnung ganz alleine wohne, sagte das Mädchen arglos,
daß auch oft ihr Freund bei ihr übernachte. Darauf
wollte meine Frau wissen, ob er ihr denn auch Geld dafür
gebe, was das Mädchen natürlich entrüstet verneinte.
Meine Frau konnte dann nicht verstehen, daß die Eltern
des Mädchens keine Einwände dagegen hatten, das ihre
unverheiratete Tochter nur so zum Vergnügen mit einem
Mann schlief. Während das Zusammenschlafen zweier
unverheirateter junge Leute bei und heute ganz normal
ist, und bei niemanden Anstoß erregt, ist das in
Thailand grundsätzlich Tabu.
Diese Beispiele zeigen vielleicht was Thai für
anstößig, bzw. erlaubt und nicht erlaubt halten. Die
Sache kehrt sich aber völlig um, wenn diese Tabus zum
Erwerb des Lebensunterhalts der Familie beiseite
geschoben werden. Hier kommt der für Thais typische
Pragmatismus voll zum Zuge, wenn abgewägt werden muß
zwischen allgemein akzeptierten Moralvorstellungen, und
der Verpflichtung für den Lebensunterhalt der Kinder und
der alten Eltern zu sorgen, die ja durch keinerlei
Sozialversicherung abgesichert sind. Diese Verpflichtung
zum Familienunterhalt funktioniert auch, selbst wenn es
in Thailand kein Gesetz wie bei uns gibt, mit dem der
Staat notfalls durch Pfändung die Kinder zwingt, für
ihre notleidenden Eltern aufzukommen. Nach der
Auffassung der Eltern und natürlich auch des Mädchens
werden die Sünden die es auch nach buddhistischer Lehre
bei ihrer Tätigkeit begeht, mehr als aufgewogen durch
das Gute was sie ihrer Familie tut.
- Das Wort "Hure" wird in der deutschen Sprache
allgemein mit "gemein, abstoßend" assoziiert. Es besteht
aber ein riesengroßer Unterschied zwischen den Huren die
in Deutschland den zeitlich meist auf eine halbe oder
ganze Stunde begrenzten Gebrauch ihres Unterleibs gegen
Entgelt anbieten, und dem Thai-Mädchen das der Farang an
einer Bar aufgabelt. Sie wird ihre Bemühungen in der
Regel nicht darauf beschränken, ihren Körper gegen
Bezahlung zur Abreagierung der geschlechtlichen Gelüste
des Mannes zur Verfügung zu stellen, sondern sich
darüber hinaus Mühe geben, ihm ein Gefühl von Wärme und
Zärtlichkeit zu geben. Dies natürlich auch weil sie
hofft, so länger mit dem Farang zusammen bleiben zu
können, gegen entsprechende Vergütung
selbstverständlich. Der Farang begeht nun oft den Fehler
diese Zärtlichkeit für wahre Liebe zu nehmen, und sich
selbst in das Mädchen zu verlieben. Er ist dann maßlos
enttäuscht und fühlt sich betrogen wenn er dann eines
Tages feststellen muß, das die ganze Sache für das
Mädchen nur Arbeit und nicht Liebe war.
Nun will ich damit keineswegs sagen, daß es für einen
alleinstehenden und eine gute und liebevolle Frau suchenden
Farang nicht möglich, ist solch ein Wesen an einer Bar zu
finden (wo denn sonst in Thailand). Ich selbst gehöre dazu
und lebe seit vielen Jahren mit meiner Thai-Frau zusammen,
die ich an einer Bar in Phuket kennengelernt habe. Hier aber
ein paar Ratschläge für den Farang, der glaubt solch eine
Frau gefunden zu haben :
In vielen Fällen wird sich das Verhältnis darauf
beschränken Briefe zu wechseln und Geld zu überweisen. Wenn
der Farang damit nur dem Mädchen das er liebt helfen will,
und das Geld abschreibt, ist alles in Ordnung und der Mann
ist für seine Nächstenliebe zu loben. Die Thais würden sagen
er hat damit "tam bon" getan, und müßte eigentlich dem
Mädchen für die Gelegenheit Gutes zu tun noch dankbar sein.
Wenn er aber erwartet, daß zum Dank für seine
Geldüberweisung das Mädchen bis zu seiner nächsten Tour nach
Pattaya nur an der Bar hockt, sich mit ein paar zusätzlichen
Baht für Lady-Drinks zufrieden gibt, und jede Gelegenheit
ausschlägt mit einem Farang mitzugehen, dann hat er sich
schwer verkalkuliert. Dann kann er aber nicht sagen das
Mädchen ist eine Hure, sondern er ist dämlich sich nicht
besser informiert zu haben, was problemlos möglich ist;. Es
gibt in den in Thailand erscheinenden deutschsprachigen
Zeitungen genug gute Informationsmöglichkeiten.
Falls die Liebe aber so groß ist, daß der Mann das
Mädchen mit nach Deutschland nehmen und heiraten will, so
wird sie in den meisten Fällen damit einverstanden sein.
Damit bietet sich für sie die einmalige Möglichkeit aus
ihrer Dauermisere rauszukommen. Dem Mann kann aber nur
geraten werden, nicht gleich nach 2 wöchiger Bekanntschaft
die dazu notwendigen Schritte zu unternehmen, sondern
zunächst zu prüfen ob sie beide überhaupt zusammen passen,
und vor allem zusammen in Deutschland leben können. Für
solch eine Prüfung reicht das Hotelbett in Pattaya nicht als
Prüfstand aus. Er muß zunächst einmal die Familie seiner
Zukünftigen kennen lernen, denn er heiratet die Familie mit,
und damit auch die Verpflichtung zu deren Unterhalt
beizutragen, ob ihm das paßt oder nicht. Er sollte dann das
Mädchen erst einmal für die nach den deutschen
Visa-Bestimmungen möglichen 3 Monate zum Besuch mit nach
Deutschland nehmen. Dabei wird er sehen, ob die in Thailand
gefundene große Liebe auch dann noch hält, wenn der Mann
jeden Morgen um 6 Uhr zur Arbeit fährt, und erst abends um 8
Uhr todmüde nach Hause kommt, während das Mädchen den ganzen
Tag über allein mit einem Fernsehprogramm von dem sie kein
Wort versteht in der Wohnung hockt, und sich nicht traut
allein auf die Straße zu gehen, weil sie kein Wort Deutsch
spricht und die Leute nicht lachen, sondern alle so böse
gucken. Damit solch eine thai-deutsche Ehe hält, ist
erforderlich, daß das Mädchen ehrlich versucht sich den
deutschen Lebensumständen anzupassen, vor allem die Sprache
zu erlernen, und daß der Mann sich ehrlich bemüht, ihre
thaitypischen Verhaltensweisen, von der Angst vor Geistern,
bis zur Notwendigkeit Geld nach Hause zu schicken, wenn
schon nicht versteht, dann zumindest toleriert und
akzeptiert.
Wenn beide intelligent genug sind und sich ehrlich
bemühen, dann kann eine solche Ehe auch dann gut
funktionieren, wenn ein größerer Altersunterschied besteht.
Das Mädchen bringt ihre Jugend und ihre Fähigkeit den Mann
zu versorgen (nicht nur im Bett) und der ältere Mann seine
Lebenserfahrung und die finanzielle Sicherheit in die
Verbindung ein. Dabei nutzt dann keiner den anderen aus
sondern gibt was er hat.
|
|
| |
|
Rassismus und Nationalismus in
Thailand von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Gibt es in Thailand Rassismus und Nationalismus ? Diese
Frage mag sich schon mancher gestellt haben, der als in
Thailand wohnender Farang sich über die offensichtliche
Benachteiligung der Ausländer gegenüber Thais bei allen
geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten geärgert
hat. Um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten zu
können, muß man sich zunächst einmal über die
unterschiedliche Bedeutung dieser Begriffe in Thailand und
Deutschland klar werden.
Rassismus, das heißt die Doktrin von der Überlegenheit
der eigenen Rasse, der Notwendigkeit sie rein zu erhalten,
und der daraus abgeleiteten Berechtigung, Menschen anderer
Rassen zu unterdrücken oder gar zu liquidieren, war eine der
Hauptursachen für den Niedergang Deutschlands, und den
Verlust an Ansehen in der zivilisierten Welt nach dem
letzten Krieg. Der Begriff des Rassismus ist für uns
Deutsche daher absolut negativ belastet, und nur ein paar
verrückte Neonazis würden sich heute noch dazu bekennen.
Rassismus existierte allerdings nicht nur in der
pervertierten Form wie in Nazideutschland. Besondere der
englische Kolonialismus rechtfertigte sich durch die
Ideologie der Minderwertigkeit anderer Völker, und der
Überlegenheit der eigenen weißen Rasse. Den Thai hingegen
war ein rassisches Gefühl unbekannt, was zum Beispiel die -
im Gegensatz zu den anderen Nationen Südostasiens - relativ
gute Integration der Chinesen in Thailand zeigt. Die
Thai-Könige waren seit Jahrhunderten Herrscher über eine
multi-ethnische Bevölkerung. Ein Drittel der Bevölkerung im
Nordosten des Landes ist laotischer oder kambodschanischer
Abstammung. Im Süden gibt es eine große malaiische
Minderheit, und einige hunderttausend Menschen chinesischer
Abstammung bestimmen heute fast das ganze Wirtschaftsleben
des Landes. Von Unterdrückung oder gar von Benachteiligung
dieser Menschen aus rassischen Gründen gibt es keine Spur.
Wenn einige Bergstämme im Norden heute Repressionen
ausgesetzt sind, dann steckt dahinter nicht ihre
Einschätzung als fremdartige oder minderwertige Rasse,
sondern die Tatsache, daß sie durch ihre Anwesenheit die
Ausbeutung der natürlichen Ressourcen dort behindern, und
deswegen massiven Geschäftsinteressen im Wege sind. Thais
sind also eine multi-ethnische und damit auch
multi-kulturelle Gesellschaft. Thailand ist damit allerdings
kein Schmelztiegel wie die U.S.A., da hier die verschiedenen
Völkerschaften mehr oder weniger in geschlossenen Gebieten
siedeln, und ihre kulturellen Eigenheiten weitgehend bewahrt
haben.
Thais sind also nach deutschen Begriffen bestimmt keine
Rassisten. Zwar nahm in einer kurzen Periode der Thai
Geschichte, nach der Regierungsübernahme Phibun Songkrams
1938 mit seiner Losung "Thailand den Thai", der
Thai-Nationalismus zeitweise auch rassistische Züge an,
unter denen insbesondere die Chinesen zu leiden hatten. Doch
Phibuns Ideen, was wahrhaft Thai sei, waren eher primitive
Kopien des "fortschrittlichen Westens", und gingen an der
Realität der Traditionen des Landes völlig vorbei. Im
Gegensatz zu seinem großen Vorbild aus Deutschland jener
Tage ist Phibun mit seinem Versuch, den Thais rassistische
Ideen einzupflanzen, kläglich gescheitert.
Etwas anders sieht es mit dem Nationalismus aus. Der
deutsche Nationalismus der Hitlerzeit, also das Gefühl
anderen Völkern überlegen zu sein, und daraus die
Berechtigung abzuleiten, den eigenen Lebensraum auf Kosten
der Nachbarvölker auszuweiten, war ebenfalls eine der
wesentlichen Ursachen für den Zusammenbruch Deutschlands
1945. Folglich ist auch der Begriff Nationalismus für und
Deutsche negativ besetzt.
Für die Thais hat der Begriff Nationalismus aber eine
andere Bedeutung. Die Thais haben in jahrhundertelangen
Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern ihre
Unabhängigkeit errungen, und sich im 19 Jahrhundert gegen
Versuche westlicher Kolonialmächte verteidigen müssen, auch
Thailand wie alle umliegenden Nachbarländer zu
kolonialisieren. Daß dies gelungen ist, trotz äußerst
starken Druckes und zeitweiser Besetzung Ayuthayas und
Bangkoks durch französische Truppen, hat aber ein tief
sitzendes Mißtrauen gegen alle Fremden, vom Weltwährungsfond
bis zum Farang-Touristen zur Folge, das den Farangs oft als
eine Form von Xenophobie oder gar Nationalismus erscheinen
mag. . Einem Thai wurde es nie in den Sinn kommen, sein Land
in einer Völkergemeinschaft aufgehen zu lassen, wie es zur
Zeit in Europa geschieht.
Es war vor allem König Rama VI (1910-1925), der mit
der politischen Ideologie des Nationalismus den
Nationalstolz der Thai zu fördern versuchte. Die Verstärkung
des Einheitsbewußtseins der Thai schien ihm ein geeignetes
Mittel zu sein, die Souveränität des Landes zu sichern,
sowie Anerkennung und Akzeptanz in der internationalen
Gemeinschaft zu erleichtern. Der Stärkung des
Nationalbewußtseins der Thais wird auch heute offiziell mit
allen Mitteln gefördert. Das geht von der täglich
mehrmaligen Präsenz des Königs als Nationalsymbol im
Fernsehen, dem täglichen Abspielen der Nationalhymne im
Fernsehen und Radio (nicht verschämt zum Programmende nach
Mitternacht wie bei deutschen Sendern, sondern morgens um 8
und abends um 18 Uhr), bis zur täglichen Flaggenparade mit
Absingen der Nationalhymne an allen Schulen. Eine erst vor
einigen Jahren gegründete Partei nennt sich "Thai Rak Thai",
wörtlich übersetzt "Thais lieben Thais", und ist heute eine
der stärksten politischen Kräfte in Thailand.
Thais haben also einen ausgeprägten Nationalstolz, wenn
es auch viele Dinge in Thailand gibt, die durchaus keinen
Anlaß geben, darüber stolz zu sein, wie z. B. die
Korruption, die Prostitution, die hohe Rate an
Gewaltverbrechen und vor allem die desolate wirtschaftliche
Situation des Landes. Thais sehen aber diese Probleme mit
ihren Augen, und legen hier grundsätzlich nicht
Farang-Maßstäbe an. Die Korruption war seit jeher in
Thailand eher eine Institution als ein Übel. Man hält es für
selbstverständlich, daß man einem Staatsdiener, der einem
bei einer Angelegenheit behilflich ist, eine gewisse Summe
dafür zahlt. Auch die Prostitution wird mit anderen Augen
gesehen. Für Thais ist an der Prostitution solange nichts
schlecht, solange sie Geld und damit finanzielle
Kompensation für einen eventuellen Gesichtserlust bringt.
Und an der derzeitigen desolaten wirtschaftlichen Lage sind
nicht die eigenen unfähigen Politiker, und die nur an ihrem
kurzfristigen Profit interessierten Banker, sondern der
Weltwährungsfond schuld, der seine Hilfe für das finanziell
angeschlagene Land mit harten Auflagen verknüpft hat.
Thais leiten aus ihrem Nationalstolz zwar nicht die
Berechtigung ab, die Angehörigen fremder Völker zu
unterdrücken, wohl aber sie mit lächelndem Gesicht
auszunehmen, was jeder Farang im Lande am eigenen Leibe
täglich erleben kann.
|
|
|
|
|
Auswandern
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
So mancher Urlauber, der sich in das Land, oder in eine
Tochter des Landes verliebt hat, spielt mit dem Gedanken in
Deutschland alles aufzugeben, nach Thailand auszuwandern und
dort mit wenig Arbeit ein schönes Leben zu haben. Er muss
sich aber dabei darüber klar sein, daß ein Farang, der hier
in Thailand als Expat leben will, mindestens zwei Dinge
braucht. Zum einen eine gesicherte finanzielle Grundlage
(Kapital oder Rente) und zum anderen die Bereitschaft die
Thai-Mentalität zu akzeptieren. Wer das eine nicht hat, oder
das anderen nicht bereit ist zu tun, bleibt besser in
Deutschland. Wer meint es genügt, wenn das Geld für das
Ticket und die ersten paar Wochen, um zunächst mal hier Fuß
zu fassen ausreicht, der sollte diesen Traum schnell wieder
vergessen, bevor er die Kohorte der gestrandeten Existenzen
vergrößert, die hier an den Bars rumhängen, und versuchen
sich durch Ausnehmen gutgläubiger oder mitleidiger
Landsleute über Wasser zu halten. Oder aber er sollte in
Pattaya bleiben, sich dort mit seinem mitgebrachten Geld
amüsieren, und wenn es aufgebraucht ist wieder nach Hause
fahren.
In Thailand eine gesicherte finanzielle Grundlage haben,
bedeutet man muss sie mitbringen. Wenn jemand hier als
Spezialist in einer Thai- oder Farang-Firma eine Anstellung
findet, mag er genug für seinen Lebensunterhalt verdienen.
Wer aber selbständig ein Geschäft aufmachen will, der
braucht schon einiges Kapital, und das Geschäft wird in der
Regel auf den Namen seiner Frau laufen. Das heißt in der
Konsequenz, wenn die Frau wegläuft, dann ist auch das
Geschäft im Eimer und das Geld weg.
Aber auch wenn die finanzielle Grundlage vorhanden ist,
und man sich auf seine Frau verlassen kann, so ist es, um
hier geschäftlich Erfolg zu haben, erforderlich hart zu
arbeiten und sich einzusetzen. Wer in Deutschland nicht
seinen Mann steht, mit sich selbst, seiner Umwelt, seinem
Beruf, mit den Gesetzen und Vorschriften nicht klarkommt,
und meint durch Weglaufen seine Probleme lösen zu können,
der sollte den Gedanken nach Thailand auszuwandern schnell
wieder vergessen.
Die Aussteigertypen die man hier als angeblich
erfolgreiche Barbesitzer antreffen kann, entpuppen sich oft
als großmäulige Pleitegeier, deren einziges Bemühen ist,
ihren Blutalkoholspiegel nicht unter 2 Promille absinken zu
lassen, und deren einziges Interesse es ist, einen gut
betuchten Landsmann mit viel Vertrauen und Naivität finden,
um diesen dann einen Anteil am eigenen erfolgreichen
Unternehmen zu verkaufen.
Die Idee sich mit seinem Geld an einer Bar zu beteiligen,
ist aber so ziemlich der sicherste Weg, sein Geld zu
verlieren. Der Farang, der als Tourist nach Pattaya oder
Phuket kommt, und sich dann überreden läßt sein Geld als
Partner in einer Bar zu investieren, weil er der Meinung
ist, daß mit seiner Beteiligung nicht nur Geld zu verdienen
ist, sondern er sich im Urlaub auch noch billig besaufen
kann, der wird über kurz oder lang merken, daß er die
Besäufnis in seinem Urlaub wesentlich billiger haben kann,
wenn er seinen Anteil schnell wieder verkauft, und zum
Trinken in eine andere Bar geht.
Aber auch der Farang, der seit mehreren Jahren in
Thailand lebt, die Sprache einigermaßen fließend sprechen
kann, und beruflich kompetent ist, wird hier auf die Dauer
keinen Erfolg haben, wenn er nicht in der Lage ist, seine
finanziellen und beruflichen Fähigkeiten den thailändischen
Gegebenheiten anzupassen, insbesondere bei allen seinen
Handlungen und Planungen die thailändische Mentalität in
Rechnung zu stellen.
|
|
|
Brautgeld
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Wer eine Thai heiratet, der heiratet ihre ganze Familie,
und damit die Verpflichtung zu ihrem Unterhalt beizutragen
mit, ob ihm das paßt oder nicht. Eine Sache, die den Farangs
besonders seltsam vorkommt, ist die Geldsumme die die Eltern
erwarten, wenn sich jemand mit ihrer Tochter – ob legal,
oder auch nur mit dem Segen der Eltern bzw. Buddhas –
zusammentut. Wir sind genau das Gegenteil gewohnt, nämlich,
daß der Brautvater seiner Tochter eine Aussteuer mit in die
Ehe gibt. Die Summen die in Thailand als Brautgeld gezahlt
werden, richten sich weniger nach der Schönheit des
Mädchens, als nach der sozialen Stellung und dem Reichtum
der Familie, vor allem dann, wenn zu erwarten ist, daß die
Braut nach dem Tode der Eltern ein schönes Stück Land erbt.
Sie liegen häufig in der Höhe eines Jahresverdienstes oder
sogar noch darüber. Während auf dem Land Summe zwischen
20.000 und 50.000 Baht üblich sind, werden in besseren
Kreisen in der Stadt auch Summen von einer halben Million
und mehr genannt. Wenn in meiner Nachbarschaft jemand
heiratet, bekomme ich immer genau erzählt, was die Braut
gekostet hat und wieviel Gold der Bräutigam seiner jungen
Frau als Brautgeschenk und erste Rate ihrer
Zukunftssicherung überreicht hat.
Für den Farang, der in Pattaya oder Phuket ein Mädchen
aus dem Isaan kennengelernt hat, und sie heiraten will, ist
die Versuchung natürlich groß, sich um diese, nach seiner
Meinung nicht erforderliche Zahlung zu drücken, und das
Mädchen ohne die entsprechende Formalität mit nach Europa zu
nehmen. Er muss sich aber darüber klar sein, daß das Mädchen
ihrer Familie gegenüber ihr Gesicht verliert, und das kann
eine schwere Belastung für das harmonische Zusammenleben
bedeuten. Das gilt auch für die moralische Verpflichtung der
Tochter ihrer Familie in Thailand regelmäßig Geld zu
schicken. Solch eine regelmäßige Zahlung birgt natürlich die
Gefahr, daß Vater und Brüder des Mädchens nun meinen
ausgesorgt zu haben, und sich einen guten Tag machen. Die
monatliche Summe sollte deshalb nicht zu hoch, aber auch
nicht zu klein sein, um eine Familie, die ihrer Tochter mit
einem Farang verheiratet hat, nicht vor den Nachbarn
bloßzustellen. Nach meiner Erfahrung sind ca. 5000 Baht
monatlich ein Betrag, der nicht ausreicht, um die ganze
Familie auf der faulen Haut liegen zu lassen, aber doch so
hoch ist, daß die Tochter als gutes Mädchen, und der
Schwiegersohn als ein Mann gilt, der weiß was sich gehört.
|
|
| |
|
Abzocke
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Wenn ich in vielen Leserbriefen in den deutschsprachigen
Veröffentlichungen die in Thailand erdcheinen wie Farang,
Eiermann-Kurier, TIP, usw. Immer wieder die Klagen von
Farangs lese, die von ihren Thai Freundinnen abgezockt
wurden, dann fällt mir dazu nur ein, daß zum Abzocken immer
zwei gehören, einer der abzockt und einer der sich abzocken
läßt.
Diese Binsenweisheit sollte jedem Farang mit gesundem
Menschenverstand einleuchten. Nun ist es aber eine
unbestreitbare Tatsache, daß dieser Verstand vielen Farangs
bei der Ankunft in Thailand plötzlich abhanden kommt,
vielleicht auch daß sie ihn bei der Gepäckaufbewahrung Im
Flughafen Bangkok abgeben, weil sie zwar der richtigen
Meinung sind, daß sie dieses unentbehrliche Requisit bei
ihrer Rückkehr nach Europa wieder benötigen, aber der
falschen Ansicht sind, beim Verkehr mit dummen! Barmädchen
darauf verzichten zu können.
Um diese armen Leidensgenossen (ich habe vor langer Zeit
auch mal dazu gehört) ein wenig zu helfen, habe ich hier
einige Ratschläge aus über 20 Jahren Thailand-Erfahrung
aufgeschrieben. Diese Erfahrung stammt nicht nur aus den
Bars von Pattaya und Phuket, sondern auch aus dem kleinen
Dorf im Itsan in dem ich seit ein paar Jahren wohne. Da aus
vielen Familien hier im Dorf eine Tochter in Pattaya
arbeitet, habe ich Gelegenheit, das Problem der Abzocke auch
mal von der anderen Seite her zu sehen und besser zu
verstehen (was nicht mit gutheißen verwechselt werden darf).
Geld hat in Thailand eine andere Bedeutung als bei uns.
Nicht nur daß man sich für Geld eine Menge schöner Sachen
kaufen kann, sondern Geld bedeutet auch Ansehen, vor allem
auf einem kleinen Dorf. Dazu gehört natürlich zunächst
einmal daß man Geld hat, dann aber auch, daß man dies zur
Schau stellt. Dies geschieht z.B. indem die Tochter, die in
Pattaya einen oder mehrere gut betuchte Sponsoren gefunden
hat, beginnt ein Haus im Farang Stil zu bauen, in dem sich
zwar kein Thai wohl fühlt, das aber furchtbar reich
aussieht. Aber auch schon eine nagelneue Singer-Nähmaschine
macht sich ganz gut. Zwar kann kein Mensch in der Familie
mit dem komplizierten Apparat etwas nähen, aber da niemand
anderes im Dorf solch eine Wundermaschine besitzt, gewinnt
die Familie eine Menge Gesicht, wenn sie das Prunkstück in
ihrer Hütte zur Schau stellt.
Die Summen die für solche Anschaffungen erforderlich
sind, liegen für die in den Itsan- Dörfern in ärmlichsten
Verhältnissen lebenden Menschen normalerweise außerhalb
jeder Möglichkeit. Tatsächlich gibt es heute aber in fast
jedem Dorf hier ein, meist auch mehrere Mädchen die in einer
Bar arbeiteten, und damit in der Lage sind nicht nur ihrer
Familie ein besseres Auskommen zu sichern, sondern auch das
Ansehen der Familie zu heben.
Was Wunder, daß jedes hübsche Dorfmädchen davon träumt,
nicht nur auch so viele Goldketten zu haben, wie ihre
Freundin vorzeigt, wenn sie aus Pattaya einmal im Jahr,
meist zu Songkhran, zu Besuch nach Hause kommt, sondern auch
so viel Geld zu verdienen und damit das Ansehen der Familie
zu heben.
Tatsächlich wird zwar in den meisten Fällen der Verdienst
eines Mädchens, die es vielleicht einmal in der Woche,
vielleicht aber auch nur einmal im Monat schafft, einen
Farang an der Bar anzumachen, gerade ausreichen um ihren
eigenen Lebensunterhalt in Pattaya sicherzustellen und noch
2000 oder 3000 Baht nach Hause zu schicken, wofür die
Familie dann noch ihr Kind oder ihre Kinder durchziehen muß.
Hat sie aber das Glück und trifft auf einen Goldesel, der so
verliebt ist, daß ihm die Tausend-Baht -Scheine nur so aus
der Tasche fallen, dann wird sie keine moralischen Bedenken
haben, diese seltene Chance auch zu nutzen. Es ist
schließlich die einzige Chance Karriere zu machen, die es
für sie gibt. Diese Karriere die ihr im Regelfalle
offensteht, besteht darin, eines Tages in ihr Dorf
zurückzugehen, in einem schönen Haus zu wohnen, vielleicht
einen kleinen Kramladen zu betreiben und mitsamt ihrer
Familie ein höheres Ansehen zu haben, als bevor sie nach
Pattaya ging. Womit sie in Pattaya das Geld verdient hat,
wird niemanden stören. Der Umstand daß sie um das schöne
Geld zu verdienen für viele Farangs die Beine breit machen
mußte, ist der Familie zwar klar, wird aber einfach
verdrängt.
Warum dieser uns Europäer besonders befremdende Aspekt –
denn wer von uns würde schon seine Tochter auf die Straße
schicken um für die Familie Geld anzuschaffen - die Familie
überhaupt nicht berührt, ist mir auch nach vielen Jahren im
Itsan noch nicht klar geworden. Aber es ist nun mal so, und
der Farang tut gut daran sich daran nicht zu stören, sondern
es als Fakt hinzunehmen.
Wie Thais diese Dinge sehen, hat mir einmal meine
Thai-Frau klargemacht, als sie sah, wie am Swimmingpool
unseres Hotel ein paar junge Farang Frauen sich oben ohne
sonnten. Sie war der Ansicht, daß sich jede Thai-Frau
schämen würde, sich so vor fremden Männern zu zeigen. Als
ich sie daraufhin daran erinnerte, daß wir am Tag vorher in
einer Go-Go-Bar gesehen hatten, wie sich blutjunge Thai
Mädchen halb oder ganz nackt präsentierten, meinte sie, das
wäre doch etwas ganz anderes. Schließlich würden die Mädchen
dort arbeiten und bekämen gutes Geld dafür.
Es wäre tatsächlich falsch, aus der Bereitwilligkeit mit
der die Mädchen an den Bars ihren Körper anbieten auf die
sexuelle Moral der Thai-Frauen insgesamt zu schließen.
Während Thai-Ehemänner bei jeder sich bietenden Gelegenheit
durch die Gegend bumsen, oder wenn ihnen danach ist, sich
eine Mia Noi nehmen und ihre Familie einfach sitzen lassen,
kommt es dort wo die Mädchen her kommen, praktisch nicht
vor, daß eine Ehefrau fremd geht. Wenn es einmal passiert,
daß eine Frau ihren Mann verläßt, dann hat er ihr in der
Regel übermäßig Grund dafür gegeben, z.B. durch dauerndes
Fremdgehen, oder indem er ihr kein Geld für den Unterhalt
der Familie gibt, oder wenn er sie im Suff laufend
verprügelt.
Klar muß sich der Farang, der sich in ein Mädchen
verliebt, die in Pattaya oder Phuket an einer Bar arbeitet,
aber immer darüber sein, daß die gegenseitigen Motive völlig
unterschiedlich sind. Er hat sich in das Mädchen schlicht
verliebt, genießt das Zusammensein mit ihr und natürlich
besonders das Zusammenschlafen. Für sie hingegen ist die
ganze Beziehung vor allem Arbeit. Sie ist natürlich lieber
mit einem netten Kerl, der sie verwöhnt zusammen, als mit
einem Rüpel, für den sie nur ein Sexualgegenstand ist. Sie
wird aber nie ihr Ziel Geld aus ihm herauszuholen, und zwar
so viel wie möglich, aus den Augen verlieren .
Nun weiß ich, daß einige Farangs die all dies lesen sagen
werden, das mag ja alles ganz richtig sein, aber auf meine
Freundin trifft das nicht zu, sie liebt wirklich mich, nicht
mein Geld. Diesen kann ich nur folgenden Rat geben:
Sei vorsichtig mit dem Verlieben. Sei dir immer darüber
klar daß du für das Mädchen der Geldbringer und nicht die
große Liebe bist. Sollte dir das schwer fallen, dann stell
dich einmal im Spiegel neben deine Freundin und versuche dir
selbst nichts vorzumachen.
Solltest du aber wirklich eine ernsthafte und dauerhafte
Beziehung haben wollen, dann mußt du versuchen die Lebensart
der Thais im allgemeinen, und das Verhalten deiner Freundin
speziell aus ihrer Herkunft und ihren Motiven heraus zu
verstehen. Dazu gehört auch, daß du zwar nicht knickrig
bist, die Taschen aber nur so weit aufmachst, daß es dir
nicht wehe tut, oder gar deine Ersparnisse ruiniert. Das
Mädchen hat keine Ahnung wie deine finanziellen Verhältnisse
sind. Sie hält dich grundsätzlich für reich und hat deswegen
keine Bedenken dir so viel Geld aus der Tasche zu ziehen wie
irgend möglich. Denke immer an die schon oben angeführte
Binsenwahrheit, daß zum Abzocken immer zwei gehören, einer
der abzockt und einer der sich abzocken läßt.
Zum Schluß noch ein spezieller Ratschlag:
Wenn du am Strand ein Mädchen triffst, die sich nett mit
dir unterhält, dazu ganz gut englisch spricht, angeblich
nicht anschafft, aber trotzdem gerne bereit ist mit dir zu
schlafen, sei vorsichtig. Wenn sie dann am nächsten Morgen
das Geld das du ihr geben willst ablehnt, weil sie 'nicht so
eine ist', sei doppelt vorsichtig. Erfahrungsgemäß kommt
dich solch eine Dame, mit der du dann, weil sie 'nicht so
eine ist', länger zusammenbleibst, am Schluß um ein
Vielfaches teurer, als ein Mädchen das nach einer netten
Liebesnacht gerne die 500 oder 1000 Baht nimmt die du ihr
gibst, sich mit einem tiefen Wai dafür bedankt und hofft,
daß du am nächsten Abend wieder an ihrer Bar erscheinst um
sie zu treffen.
|
|
| |
|
Ehe und Familie
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Auch in Thailand ist es erforderlich, daß sich Mann und
Frau zusammentun, um eine Familie zu gründen und Kinder zu
zeugen. Und in der Regel wird neben der rein biologischen
Anziehung, also der Freude am Sex, auch das dabei sein, was
man allgemein mit dem vieldeutigen Begriff Liebe bezeichnet.
Zwar gibt es in Thailand die gesetzliche Ehe, die amtlich
registriert wird, und bei der beide Partner gesetzlich
definierte Rechte und Pflichten übernehmen, und sie ggf.
auch einklagen können. Diese förmliche, gesetzliche
Eheschließung wird auf dem Lande aber praktisch nicht
praktiziert. In der Regel zieht man einfach zusammen,
eventuell noch mit dem elterlichen und priesterlichen Segen
versehen.
Zwar ist eine aufwendige Hochzeitsfeier von der Seite der
Eltern immer erwünscht, um die Eheschließung vor dem
gesamten Dorf zu dokumentieren. Es genügt aber auch ein
gemeinsames Zusammenleben über einen längeren Zeitraum, und
das Vorhandensein gemeinsamer Kinder, um in der Gesellschaft
als verheiratet zu gelten.
Falls aber die Ehe wirklich offiziell geschlossen und bei
der Ortsbehörde in ein Register eingetragen wird, so gilt
auch in Thailand seit 1932 gesetzlich die Einehe. Da sich
althergebrachte gesellschaftliche Gewohnheiten aber nicht so
schnell ändern lassen wie Gesetze, heißt das in der Praxis,
daß der wohlhabendere Mann sich eine Hauptfrau (mit Lizenz),
und eine oder mehrere Nebenfrauen hält. Da aber nur die
Hauptfrau gesetzliche Ansprüche hat, kann er die Nebenfrau
und ihre Kinder jederzeit verlassen wenn ihm danach ist,
ohne daß diese irgendwelche Versorgungsansprüche haben oder
gesetzlich einklagen könnten. Die neuen Ehegesetze haben im
Prinzip also für die Frauen wenig Besserstellung gebracht.
Auch ist Bigamie nach Thai-Gesetzen zwar nicht erlaubt, aber
auch nicht strafbar wie in Deutschland. Wer also, obwohl er
schon eine gesetzlich angetraute Ehefrau besitzt, noch
einmal gesetzlich heiratet, und dabei angibt noch nicht
verheiratet zu sein, hat lediglich durch die falschen
Angaben eine Ordnungswidrigkeit begangen und riskiert, falls
die Geschichte auffliegt, lediglich eine Ordnungsstrafe, in
der Regel eine Geldstrafe. Allerdings wird dann die zweite
Ehe ungültig sein. Für junge Frauen vom Lande ist das
Verhältnis mit einem verheirateten Mann oft die einzige
Chance der trostlosen Armut zu Hause zu entkommen. Dabei
braucht das nicht immer ein Thai-Mann zu sein; auch Europäer
sind hier willkommen. Hiermit ist keineswegs ein
gesellschaftlicher Makel verbunden, da im Gegensatz zu uns,
die Ehe mit mehreren Frauen in Siam über Jahrhunderte
durchaus die Regel war.
Eine Nebenfrau, "mia noi" genannt, zu haben, ist in
Thailand also auch heute noch üblich., und gilt in
wohlhabenderen Kreisen als Statussymbol. Aber auch hier sind
bestimmte Regeln einzuhalten. Ein Thai Sprichwort sagt: Die
"mia luang" (Hauptfrau) ist wie die Buddha-Figur auf dem
Hausaltar. Sie muß in Respekt gehalten und entsprechend
unterhalten werden. Die "mia noi" ist wie das
Buddha-Amulett, das man immer auf der Brust trägt. Sie
bringt Glück und Wohlbefinden und muß deshalb natürlich auch
gut unterhalten werden (wofür sie allerdings in der Regel
schon selber sorgen wird).
Da die gesetzliche Ehe in Thailand auch heute noch die
Ausnahme ist und nur in besseren Kreisen und in den Städten
praktiziert wird, liegt es, wenn einmal Kinder da sind und
die sexuelle Anziehung nachläßt, ganz im Belieben des
Mannes, wie er seine Familie versorgt oder ob er gar, wie es
sehr häufig der Fall ist, Frau und Kinder einfach sitzen
läßt und sich eine neue Frau nimmt. Die thailändische Frau
hat also gegenüber ihrem Mann und dem Vater ihrer Kinder
keinerlei gesetzlich durchsetzbaren Versorgungsansprüche,
zumindest wenn sie nicht gesetzlich verheiratet ist. Sie muß
von Anfang an um ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder
kämpfen. Weil das aber schon immer so war, und weil das
junge Mädchen es von seinen Eltern und älteren Schwestern
nicht anders kennt, ist es darauf auch eingestellt und dazu
in der Lage.
Wer also der Meinung ist, daß die Thai-Frau in der Ehe
sanft und unterwürfig ist, der irrt sich. Eine Thai-Frau,
vor allem wenn sie nicht durch einen Ehevertrag abgesichert
ist, weiß, daß Goldketten und evt. auch Geld auf ihrem
Sparbuch weit angenehmer und beruhigender sind, als das was
der Mann ihr an Zärtlichkeit und Liebessprüchen zu bieten
hat und sie richtet sich in jeder festen Bindung von Anfang
an darauf ein.
Sie kann sehr lieb und anschmiegsam sein, vor allem wenn
sie etwas von ihrem Mann haben will. Sie kann aber auch hart
fordern und zum nervtötenden Biest werden, wenn sie nicht
bekommt, worauf sie Anspruch zu haben glaubt. Dazu muß man
sich aber klar machen, daß die Thai-Frau eben darauf
eingestellt ist, nicht nur das für den täglichen
Lebensunterhalt der Familie Erforderliche ihrem Mann
abzuverlangen, sondern daß sie, mangels durchsetzbarer
Versorgungsansprüche, auch möglichst viel materielle
Sicherheit für sich und die Kinder für die Zeit anzusammeln
sucht, in der er sie später eventuell verläßt.
Daher das dauernde Verlangen nach den für Thailand
typischen Goldketten aus massivem 24 karätigem Gold. Je mehr
davon, desto besser. Gold ist in Thailand gleich Geld. Das
massive Schmuckgold der Halsketten und Armbänder kann
buchstäblich an jeder Straßenecke mit geringem Abschlag
wieder zu Geld gemacht werden, wenn es die Not erfordert.
Außerdem kann es natürlich sichtbar getragen werden. Vor
allem bei festlichen Anlässen wird jedes bißchen Goldschmuck
angelegt, zum einem um mehr 'Gesicht' zu haben, zum anderen
um die anderen Frauen neidisch zu machen. Das bringt
wesentlich mehr als die paar Prozent Zinsen, die man
bekommen würde, wenn man statt dessen das Geld zur Bank
tragen getragen hätte.
Aus dieser unterschiedlichen Einstellung zu den
finanziellen Grundlagen des Zusammenlebens zwischen Mann und
Frau entsteht auch der größte Teil aller Probleme in
thai-deutschen Ehen oder eheähnlichen Gemeinschaften. Man
hat die liebevolle und zärtliche Traumfrau in Thailand
getroffen, sie mit nach Deutschland genommen und jetzt
beginnt das tägliche Zusammenleben. Das Mädchen hat einen
nach ihrer Auffassung reichen Mann geheiratet. Denn wer
soviel Geld für den Flug und ein teures Hotel ausgeben kann
und sich auch im Schwung der ersten Liebe als nicht
kleinlich zeigt, der muß eben reich sein, auch wenn er als
lediger kleiner Angestellter monatlich vielleicht nur
dreitausend DM netto nach Hause bringt. Das ist für
Thai-Verhältnisse viel Geld; etwa soviel, wie ein höherer
Staatsbeamter verdient.
Von diesem Geld muß in Deutschland nun aber nicht nur die
Wohnungsmiete, der tägliche Lebensunterhalt, die Kleidung
und evt. auch noch das Auto bezahlt werden. Die Frau hat
auch die moralische Verpflichtung, ihrer Familie in Thailand
regelmäßig etwas Geld zukommen zu lassen. Dazu kommen oft
noch Unterhaltsverpflichtungen für ein oder gar mehrere
Kinder von ihrem ehemaligen Thai-Mann, die sie bei der Oma
in Thailand in Pension gelassen hat. Schickt sie kein Geld,
hat sie vor ihrer Familie und den Nachbarn ihr Gesicht
verloren, eine schlimme seelische Belastung für eine
Thai-Frau alleine in der Fremde, wofür ihr deutscher Mann
meist überhaupt kein Verständnis hat. Er hat vielleicht ein
ganzes Jahr für die Reise nach Thailand gespart, hat viel
Geld ausgegeben, um die Frau nach Deutschland zu holen, hat
vielleicht auch den Eltern bei einem Besuch eine anständige
Summe gezahlt, und ist nun der Meinung, sich finanziell weit
genug aus dem Fenster gelegt zu haben.
Der Ehemann hat nun zunehmend das Gefühl, nur als
Goldesel zu dienen und hat dann irgendwann mal die Nase
voll. Dann gibt es den üblichen Ehekrach, bei dem es, wie
übrigens auch bei deutschen Ehepaaren, meist ums Geld geht.
Für die Thai-Frau geht es, wie aufgezeigt, aber zusätzlich
um ihr Gesicht und um ihre verständlichen Versorgungsängste
für sie und ihre in Thailand zurückgelassenen Kinder. Bei
solchen ehelichen oder außerehelichen Auseinandersetzungen
können Thai-Frauen, die solche Situationen von zu Hause ja
bestens kennen, durchaus mithalten. Die Tatsache, daß man
sich mangels ausreichender Sprachkenntnisse auf ein paar,
dafür um so kräftigere Schimpfworte beschränken muß, tut der
Sache keinen Abbruch; zusätzlich kann man ja noch in der
eigenen Sprache nachlegen. Wenn der andere das auch nicht
versteht, so erleichtert es einem doch wenigstens das Herz.
Geld gehört nun einmal zu einer funktionierenden Ehe,
mindestens genauso wie Liebe, das ist letztlich in
Deutschland so wie in Thailand. Darüber hinaus ist es aber
für einen deutschen Mann natürlich besonders schwer, das
Gefühlsleben seiner Thai-Frau zu verstehen. Zu den üblichen
Problemen für jeden Mann, sich in der Denkweise einer Frau
zurechtzufinden, kommt hier noch die durch den vollkommen
unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergrund
gegebene Art und Weise, familiäre und finanzielle Probleme
anzugehen. Es wird ihm vor allem besonders hart ankommen,
sich mit den finanziellen Forderungen seiner Thai-Frau
abzufinden, die, wie er glaubt, ihn nur aus Liebe geheiratet
hat und die ihm nun tagtäglich dafür dankbar sein müßte, daß
er sie aus dem Sumpf herausgeholt hat.
Meine Frau hat mir diesen Sachverhalt einmal auf ihre Art
klar gemacht. Als ich sie fragte, warum sie denn nun gerade
bei mir hängen geblieben ist, ob wegen meines Geldes oder
weil sie mich liebt, bekam ich die Antwort "Das ist doch
eine ganz dumme und überflüssige Frage. Wenn du kein Geld
hättest, könnte ich dich nicht lieben, denn wer würde dann
für mich und meine Kinder sorgen. Aber wenn ich dich nicht
lieben würde, dann könntest du soviel Geld haben wie du
willst, dann würde ich nicht so lange mit dir
zusammenleben.' |
|

Jeder Farang, der länger mit Thais zusammenlebt, wird sich
über das Nebeneinander von Buddha-Verehrung und
Geisterglaube gewundert, und sich die Frage gestellt haben,
ob die Thais denn nun Buddhisten oder Animisten sind. Wenn
man dieser Frage etwas näher auf den Grund geht, bekommt man
auch ein besseres Verständnis dafür, was die Thais fühlen
und denken, kurz was ihr Leben bestimmt.
Fangen wir zunächst einmal mit dem Glauben an die Geister
an. Wir Farangs neigen dazu, den Begriff Geister mit unserem
deutschen Begriff Gespenster gleich zu setzen. Das ist aber
der erste schwere Fehler, den man machen kann, wenn man das
Benehmen der Thais mißverstehen will. Für die Thais ist das,
was wir mit unseren 5 Sinnen wahrnehmen, nur ein Teil des
Universums (was übrigens verblüffend dem heute
wissenschaftlich anerkannten Verständnis des Kosmos
entspricht). Neben all den Lebewesen die Gestalt haben, und
mit den Augen wahrgenommen werden können, ist die Welt mit
Wesen bevölkert, die keine für uns sichtbare Gestalt haben,
aber unser tägliches Leben und Schicksal erheblich
beeinflussen können.
Da sind zunächst die an einen Ort gebundenen Geister, von
denen der Hausgeist Phra Phum, dem vor jedem Haus ein
Wohnsitz zur Verfügung gestellt wird, mit am bekanntesten
ist. Er ist der eigentliche - wenn auch nicht
grundbuchamtlich eingetragene - Besitzer des Landes. auf dem
das Haus steht. Er kann den Bewohnern des Hauses Glück und
Wohlergehen sichern, aber auch das Gegenteil, also Unglück
und Krankheit bringen. Es ist daher wichtig, den Hausgeist
bei guter Laune zu halten, und ihm zu zeigen, daß man ihn
schätzt. Das geschieht, indem man sein Häuschen in Ordnung
hält, ihm regelmäßig kleine Schälchen mit Nahrung und
Getränken hinstellt, und seinen Wohnsitz auch ab und zu
einen Blumenkranz schmückt. Da der Hausgeist aber auch die
Macht hat, das tägliche Leben der Menschen zu beeinflussen,
wendet man sich auch an ihn, wenn man einen irgend Wunsch
hat. Man trägt ihm sein Anliegen in einem stillen Gebet vor,
und verspricht dabei dem Geist bei Wunscherfüllung ein
kleines Geschenk, etwa einen schönen Holzelefanten, oder
auch eine Flasche Reisschnaps. Das ganze ist mehr oder
weniger ein Geschäft, man bestellt etwas, und muß dann
natürlich bei Lieferung, also bei Erfüllung der Bitte, den
Kontrakt auch einhalten. Tut man das nicht, hat man sich das
Übelwollen des Geistes zugezogen, und das kann böse Folgen
haben.
Eine andere Kategorie der ortsgebundenen Geister, sind
die Geister die an einem besonders verehrungswürdigen Ort
wohnen, und die manchmal große Macht haben, wie z. B. der
Geist der in dem Standbild eines Hindugottes, oder auch
einer Buddha Statue wohnt. Während der Einfluß des
Hausgeistes sich mehr oder weniger auf die Menschen
beschränkt, die in dem Haus wohnen, können die an einem
verehrungswürdigen Ort wohnenden Geister auch überregional
tätig werden. Wer eine größere Reise antritt, kann sich
gegen die Gefahren auf dieser Reise also absichern, indem er
vorher solch einen Geist um Schutz bittet, und ihm
selbstverständlich auch eine Gegenleistung verspricht. Also
ein schönes Geschenk, oder oft auch eine Tanz- oder auch
Theatervorführung, die einige dieser Geister besonders
mögen. Mancher Farang wird sich schon an den Vorführungen
der Tempeltänzerinnen am Erawan Schrein, oder an dem
Likeh-Theater am Stadttempel, gegen über dem Königspalast in
Bangkok erfreut haben, ohne zu wissen, daß diese
Vorführungen nicht das geringste mit dem Buddhismus zu tun
haben, sondern rein geschäftlichen Abmachungen zwischen
einem Individuum und einem einflußreichen Geist dienen. Der
Geist kann auch weiblichen Geschlechts sein, er wird dann
vor allem von Frauen angerufen, die z. B. ein Kind haben
möchten, oder Probleme mit ihren ungetreuen Ehemann haben.
Solche weiblichen Götter mögen als Geschenk vor allem
Lingams, und so sind deren Schreine auch meist mit diesen
Holzpenissen in allen Größen überladen.
Schließlich gibt es auch noch die bösen Geister, die den
Menschen ärgern, oder ihm übel wollen. Sie haben keinen
festen Wohnort, sondern irren in der Gegend umher, und
suchen sich ihre Opfer. Diese Geister kann man kaum durch
Geschenke beeinflussen, sie haben ja keinen Standort, an dem
man die Gaben deponieren könnte. Man kann aber einen guten
Geist gegen sie mobilisieren, und um seinen Schutz gegen die
bösen Geister bitten. Schutz gegen böse Geister bieten auch
geweihte Amulette oder Tätowierungen. Die Tätowierungen die
man bei Thai-Männern oft sieht, dienen also nicht der
Zierde, wie bei Farangs, sondern haben eine Schutzfunktion.
All die Opfer und Gebete an Orten. an denen ein guter
oder einflußreicher Geist wohnt, haben aber nur Bedeutung
für das tägliche Leben, keineswegs für das Jenseits. Es sind
reine geschäftliche Transaktionen nach dem Motto: ich
bestelle, du lieferst, ich bezahle. Da die Thais gewohnt
sind, daß jeder Mensch mit einigem Einfluß, egal ob ein
Beamter oder Polizist, erst einmal Geld sehen will, bevor er
etwas unternimmt, wird auch dem Geist allgemein bei der
Bestellung eines Wunsches schon eine kleine Gabe, sozusagen
als erste Rate für das Geschäft gezahlt.
Kommen wir nun zum Buddhismus. Hier sind zunächst zwei
Dinge festzuhalten. Zum einen, daß Buddha kein Thai, sondern
ein in der brahmanischen Überlieferung aufgewachsener
indischer Fürstensohn war, seine Wertvorstellungen also ganz
andere waren, als die der Thais. Zum andern ist der
Buddhismus heute zwar Staatsreligion in Thailand, hat aber
mit der Lehre die Buddha einst verkündet hat, genau so wenig
zu tun, wie die Dogmen der katholischen Kirche mit dem
Urchristentum. Hinzu kommt, daß die Thai Pragmatisten, und
keinesfalls Dogmatiker sind. Sie haben also nicht nur die
Lehre Buddhas über 2 Jahrtausende ihren eigenen
Wertvorstellungen angepaßt, so daß in vielen Klöstern heute
die althergebrachten Riten nur noch leere Form sind, und die
Mönche, und vor allem die Äbte, genau so nach Besitz streben
wie alle Thais, sondern auch die Laien halten von den
Geboten Buddhas nur soviel ein, wie es ihnen gerade nützlich
erscheint.
Die Lehre Buddhas ist keine Religion, sie kennt kein
Dogma, sondern sie beschreibt den Weg, die der Mensch gehen
muß. um sein Kharma so zu beeinflussen, daß er nach vielen
Existenzen schließlich das Nirvana erreicht. Wenn die Thais
im Tempel opfern, oder die jungen Männer für ein paar Monate
ins Kloster gehen, dann dient das nicht der Verbesserung
ihrer Lebensverhältnisse, oder ihres Schicksals, sondern "tam
boon" dient ausschließlich zur Verbesserung des Kharmas, und
kann sich erst im nächsten Leben auswirken.
Wenn man all dies betrachtet, also berücksichtigt, daß
die Geister für das Leben auf dieser Erde, und das nur
kurzfristig zuständig sind, so daß man ihr Wohlwollen und
ihren Schutz immer von neuem erkaufen muß, die Lehre Buddhas
aber das Kharma, und damit das nächste Leben bestimmt, dann
kommt einem der Dualismus, der das Thai-Leben bestimmt, gar
nicht mehr so seltsam vor. Der Umstand, daß der Buddhismus
keine Sünde kennt, sondern nur eine Station, die man auf dem
Wege zum Nirvana jeweils erreicht hat, bietet auch eine
gewisse Erklärung für das Verhalten der Mädchen an den Bars
von Pattaya. Sie sind jung, und können es sich daher
leisten, auf dem Weg zur Erkenntnis, wie ihn Buddha
vorzeichnet, ein paar Jahre anzuhalten, um ihn später, meist
im Alter wieder fortzusetzen. Gleichzeitig ist die
Unterstützung der Angehörigen, die ihnen ihre durch ihre in
unseren Augen unmoralische Tätigkeit ermöglicht wird, "tam
boon" und wird ihr Kharma günstig beeinflussen.
Guenther Ruffert |
|
| |
|
Geister
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Der Geisterglaube gibt wie die Religion den Menschen in
Thailand eine gewisse Lebens- und Handlungssicherheit. Wenn
man ihnen diese wegnimmt, werden sie haltlos und unsicher.
Für Thais ist der ganze Kosmos von Engeln, Dämonen,
Vampiren, kurz von überirdischen Wesen belebt. Geister, das
heißt Wesen die wir nicht wahrnehmen können, sind in jedem
Haus, jedem Baum, jedem Reisfeld, jedem Fluß. Wer
einigermaßen unbeschadet durchs Leben kommen will, muß sich
mit diesen Geistern gut stellen, sie möglichst freundlich
stimmen und ihnen regelmäßig Opfergaben bringen.
In Thailand gibt es eine Unmenge verschiedener Geister.
Da sind zunächst die guten Geister, die dem Menschen helfen,
ihn beschützen und vielleicht seine Wünsche erfüllen. Alle
wollen allerdings auch entsprechend gebeten, mit Opfergaben
günstig gestimmt und bei Erfüllung der Wünsche belohnt
werden. Einige guten Geister helfen bei der Heilung von
Krankheiten, andere bei der Suche nach verlorenen
Gegenständen, und wenn man Glück hat, hilft einem ein guter
Geist auch bei der Wahl der richtigen Lotterienummer.
An Gelegenheiten die Geister freundlich zu stimmen fehlt
es nicht. Jede Wohnung hat ihren Hausaltar, und vor jedem
Haus steht ein oder zwei Geisterhäuschen, in denen man den
Geistern opfern kann. An jeder Straßenkreuzung werden kleine
Kränze mit frisch aufgezogenen Blüten verkauft, die zu Hause
über den Hausaltar oder aber vor dem Haus an ein
Geisterhäuschen gehängt werden, um das Wohlwollen der
Geister zu gewinnen.
Mit den bösen Geistern die außerhalb des Hauses bzw. des
Dorfes lauern ist es etwas schwieriger. Sie sind nicht näher
bekannt und daher unkalkulierbar. Sie wären in unserem
Sprachgebrauch etwa als Gespenster zu bezeichnen. Davon gibt
es ganz grausliche Typen, wovon man sich in jedem zweiten
Thai Film überzeugen kann. In der Wirklichkeit quälen sie
die Menschen vor allem nachts im Traum. Schützen kann man
sich gegen die bösen Geister mit Tätowierungen, Amuletten
oder indem man eben durch eifriges Opfern die guten
Schutzgeister gegen sie mobilisiert. Besondere Angst vor den
bösen Geistern haben natürlich die Frauen, vor allem die
jungen Mädchen. Das hindert sie aber nicht daran, sich am
liebsten Grusel- und Horrorfilme anzusehen, oder Comic-Hefte
mit Geistergeschichten zu verschlingen. Je gruseliger es
darin zugeht, um so besser kann man sich dann fürchten, wenn
es dunkel wird.
Thais wären aber keine Thais, wenn sie nicht auch
versuchen würden die Geister zu beschummeln, schließlich
sind es ja auch thailändische Geister. Wenn z.B. ein Baby
geboren wird, darf man die stolze Mutter nicht etwa zu dem
hübschen Kind beglückwünschen. Das könnten böse Geister
hören und das Kind stehlen. Man gratuliert der Mutter also
zu dem häßlichen Kind und alle grinsen dabei und wissen, wie
es gemeint ist. Auf der anderen Seite muß man das, was man
einem Geist für die Erfüllung eines Wunsches versprochen
hat, z. B. einen schönen Holzelephanten oder auch eine
Flasche Reisschnaps, auch wirklich geben, wenn der Wunsch
erfüllt worden ist, sonst kann der Geist sehr ärgerlich
werden und einem böse Dinge antun.
Wenn meine Frau auf den Markt geht und Früchte mitbringt,
wird immer etwas davon für die Geister abgezweigt, bevor die
Familie sich über das Mitgebrachte hermacht. Auf meine etwas
spöttische Frage, ob sie denn tatsächlich glaube, daß die
Geister sich an den aufgestellten Früchten laben, antwortete
sie mir einmal: 'Du hast mir doch erzählt, daß ihr zum
Geburtstag deiner Mutter an ihrem Grab Blumensträuße
hinlegt. Glaubt ihr denn etwa, daß der Geist der Mutter aus
dem Grab herauskommt und an den Blumen schnuppert'. Dazu war
nun nichts mehr zu sagen.
Geister sind eben immaterielle Wesen, die den guten
Willen für die Tat nehmen, als Zeichen, daß an sie in
respektvoller Form gedacht wird. Dementsprechend wäre es
auch eine Todsünde, die allerdings von unverständigen
Farangs manchmal begangen wird, sich im Vorbeigehen eine
frische Banane oder Orange von einem vor dem Geisterhäuschen
stehenden Teller zu schnappen. Solch eine schwere
Beleidigung der Geister kann böse Strafen, wie Unfälle oder
Krankheiten nach sich ziehen, und zwar nicht nur für den
Sünder, sondern auch für den Hausbesitzer, der nicht besser
aufgepaßt hat. Der Farang darf sich also nicht wundern, wenn
in solch einem Falle die Thais unverhältnismäßig hart
reagieren. Nach meiner Erfahrung ist so eine Beleidigung des
Hausgeistes ein viel schwererer Fauxpas, als einem Kind über
den Kopf zu streicheln oder auf eine Banknote, die ja immer
das Bild des Königs trägt, zu treten, wenn sie einem aus der
Hand geglitten ist und wegzufliegen droht. Vor diesen
kleinen Tabuverstößen wird zwar in jedem Reiseführer
gewarnt, sie lassen aber den Durchschnitts-Thai völlig kalt.
Thais werden also immer versuchen, sich vor allem mit
denjenigen Geistern, mit denen sie täglich zu tun haben,
also mit den Hausgeistern, möglichst gut zu stellen. Dabei
behandeln sie die Geister nicht viel anders als wie
menschliche Wesen, die einem nützen oder schaden können. Je
nach Situation wird man dem jeweiligen Geist schmeicheln,
ihn um etwas bitten, ihn bestechen oder beschummeln, ihn
belohnen wenn er geholfen oder auch schon mal mit ihm
schimpfen, wenn er nicht geholfen hat. Da es in Thailand
nichts umsonst gibt, wollen auch die Geister für ihre Hilfe
bezahlt werden, z.B. mit einer Flasche Mekhong-Whisky oder
einem schönen Holzelefanten. Um das Geschäftsrisiko
möglichst klein zu halten, kriegt der Geist das Versprochene
aber erst bei Erfüllung des Wunsches. Hat er aber nicht
geholfen, dann kriegt er eben nichts.
Im Haus der Eltern meiner Frau steht in der Ecke der
Hausaltar, auf dem friedlich neben einigen Urnen mit der
Asche von Familienmitgliedern, ein paar Holzelefanten und
einigen bunten Figuren, die an Kinderspielzeuge erinnern,
auch immer ein paar Flaschen Schnaps stehen. Wer in der
Familie ein Anliegen an den Hausgeist hat, sei es daß er bei
Zahnschmerzen helfen, Regen oder einen Lotteriegewinn
bringen soll, der geht mit seinem Problem zum Hausaltar und
verspricht dem Geist für den Fall der Hilfe eine, oder bei
größeren Wünschen auch mehrere Flaschen Schnaps. Natürlich
muß der Geist das Versprochene dann aber auch wirklich
bekommen, wenn der Wunsch erfüllt ist, sonst könnte er die
Wunscherfüllung rückgängig machen, oder sich fürchterlich
rächen.
Wenn wir mal abends mit der Familie und vielleicht ein
paar Nachbarn vor dem Haus sitzen, um eine Flasche
Mekhong-Whisky leer zu machen, die ich spendiert habe, dann
passiert es schon mal, daß die Flasche leer, die versammelte
Gesellschaft aber noch nicht voll ist. Dann gehe ich einfach
zum Hausaltar, frage den Hausgeist in geziemender Form, ob
er mir eine Flasche von seinem Schnaps leiht (er hat noch
nie nein gesagt) und dann kann die Party weiter gehen.
Natürlich muß ich dann sehen, daß der Geist seine Flasche am
nächsten Tag mit Dank und mit möglichst einem kleinen
Opferteller voll Obst oder Blumen wieder zurück bekommt. Ich
habe allerdings in den vielen Jahren das Rätsel noch nicht
lösen können, was tatsächlich mit den Flaschen geschieht,
denn obwohl von Zeit zu Zeit immer neue hingestellt werden,
bleibt die Gesamtzahl auf dem Altar mit etwa 5 Flaschen
immer gleich. So ganz kann ich mich bis heute noch nicht zu
dem Glauben durchringen, daß der Hausgeist tatsächlich
Schnaps trinkt und dann sogar die leeren Flaschen entsorgt.
Ich habe statt dessen den Verdacht, daß hier der Opa dem
Hausgeist manchmal aushilft.
Auch die Erdgeister sind nicht zu vergessen. Wenn wir
abends vor dem Hause sitzen und ich einem Gast ein Glas Bier
oder Reisschnaps eingieße, wird jeder erst mal einen kleinen
Schluck für die dort wohnenden Geister auf den Boden gießen,
bevor er selber trinkt. Auch sieht man manchmal große, alte
Bäume, um die bunte Schleifen gebunden oder vor denen
Opfergaben abgestellt sind. Dies ist ein Zeichen dafür, daß
in diesem Baum ein verehrungswürdiger Geist wohnt.
|
|
|
Expats in Thailand
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Mit dem aus dem Englischen stammenden Begriff Expat
bezeichnen sich in der Regel die längere Zeit oder auf Dauer
in Thailand lebenden Farangs. Ein Expat ist also jemand, der
sich aus beruflichen oder privaten Gründen dafür entschieden
hat in diesem exotischen Land zu leben. Eine wichtige
Voraussetzung hierfür ist, daß man möglichst schnell die
Dinge lernt, die erforderlich sind, um in diesem Land ein
vernünftiges und zufriedenstellendes Leben zu führen. Was
dazu erforderlich ist, hängt natürlich von den individuellen
Ansprüchen und Erwartungen jedes Einzelnen ab. Egal aber
welchen Lebensstandard man für sich selbst als unabdingbar
erwartet, so sind zwei Dinge für jeden Expat erforderlich:
- Die Erkenntnis, daß in Thailand andere Regeln der
Logik, der Höflichkeit und des menschlichen
Zusammenlebens gelten als er von zu Hause gewöhnt war.
Daß es also keinen Sinn hat sich damit aufzureiben von
Thais Dinge zu erwarten, die nicht ihrer Logik oder
ihrer Auffassung von richtigen und angebrachten Handeln
entsprechen. Man wird als Ausländer nichts, absolut
nichts mit Kritik ändern, und sei sie noch so positiv
oder negativ. Wenn man aber zu der Einsicht kommt, daß
die Thais anders denken, fühlen und handeln wie wir
Farangs, dann sollte man auch mal versuchen zu
begreifen, daß die Thais die Sache von der anderen Seite
sehen, und sagen "die Farangs fühlen, denken und handeln
anders als wir Thais. Aber wenn sie in unserem Land
leben, dann sollen sie sich gefälligst an die
Spielregeln halten die hier seit Jahrhunderten gelten,
und die dafür sorgen, daß unsere Thai Gesellschaft
funktioniert."
- Die Einsicht, daß er in diesem Land immer ein
außerhalb der Thai-Gesellschaft stehender Fremder sein
wird, unabhängig davon, wie lange er hier lebt. Der
Farang mag sich ernstlich bemühen, er wird es doch es
nie schaffen wie ein Thai zu fühlen und zu denken. Dazu
muss man schon in diesem Land geboren und aufgewachsen
sein. Es ist unsere Denkweise, unsere Wertevorstellungen
und die Prägung unserer eigenen Kultur die uns daran
hindert. Erforderlich ist ferner die Erkenntnis, daß
Thais – bei aller meist zur Schau getragenen
Freundlichkeit - eine angeborene Zurückhaltung gegen
alles haben was aus anderen Ländern kommt, und daß sie
davon überzeugt sind, daß Thais besser und vernünftiger
sind als die Angehörigen eines anderen Volkes. Daraus
resultiert, daß man es für selbstverständlich hält, daß
Thais im eigenen Lande gegenüber dem Ausländer gewisse
Vorrechte haben. Vor der Paßkontrolle am Flughafen in
Bangkok steht zwar ein Plakat, das alle Gäste mit "Welcome
in the Kingdom of Thailand" begrüßt. Das erspart es aber
lediglich den Beamten an der Paßkontrolle ein
freundliches Gesicht zu machen.
Der neu in dieses Land kommende, oder der nur kurze Zeit
hier weilende Tourist mag sich von der äußeren
Freundlichkeit und dem ewigen Lächeln täuschen lassen. Er
wird aber bald merken, daß es damit nicht mehr weit her ist,
wenn diese äußeren Formen einmal wegfallen. Das kann bei
einer Auseinandersetzung mit einem Geschäftsinhaber,
Taxifahrer oder auch innerhalb der Familie sein. In jedem
Falle wird er es merken, wenn er bei einer Behörde irgend
etwas zu erledigen oder zu genehmigen hat. Er mag jahrelang
mit denselben Menschen zu tun haben, er wird aber – auch
wenn er kein Thai versteht – immer wieder das Wort Farang,
also Ausländer hören, wenn man über ihn spricht. Der Farang
mag wohl wegen seines Geldes, vielleicht auch wegen seiner
Kenntnisse eine gewisse Wertschätzung genießen, er wird aber
immer wieder feststellen, daß viele Thais bemüht sind einen
gewissen Abstand zu ihm zu halten. Auch wenn es unter den
Expats viele Thai-deutsche Verbindungen und Ehen gibt, so
muss doch jeder der ehrlich ist zugeben, daß Thais und
Farangs wie Wasser und Oil sind, d.h. daß sie wohl
nebeneinander existieren und leben können, daß daraus aber
nie eine Vermischung, eine Emulsion wird.
Wie wird der Expat nun mit dieser Situation fertig.
Manche begnügen sich damit, über alles zu schimpfen und
unmöglich zu finden, was man als "Thai Ways of Live"
bezeichnet. Sie hängen dann meist jeden Abend in ihrer
Stammbar, tauschen ihren Ärger oder Frust mit
Gleichgesinnten aus, und ertränken ihn in Alkohol. Wenn sie
dann morgens mit einem Katzenjammer erwachen, müssen sie
sich selbst fragen, was zum Teufel sie hier in diesem Land
zu suchen haben. Andere versuchen sich einzurichten, und -
aus der Erkenntnis heraus, daß es keinen Sinn hat seine
Kräfte damit aufzureiben gegen den Strom zu schwimmen - die
Eigenarten des Thai-Charakters bei allem was sie tun und
vorhaben in Rechnung zu stellen, und im Übrigen das zu
genießen, was dieses Land an Schönem und Angenehmen zu
bieten hat. Und dann gibt es die Farangs, die wie ein
enttäuschter Liebhaber diesem Land den Rücken kehren, und
sich dann doch immer wieder heimlich hierher zurücksehnen.
So mancher der sich lauthals darüber beklagt, daß ihn das
Land zugrunde gerichtet habe, will sich selbst nur nicht
eingestehen, daß er sich selber zugrunde gerichtet hat. Mit
seinen unerfüllbaren Träumen von einem Leben ohne Arbeit
oder ausreichenden finanziellen Rückhalt, mit seiner
Erwartung hier das Paradies auf Erden zu finden, mit der
Meinung daß die Menschen, die überwiegend einen geringeren
Bildungsstandard als er selbst hat, damit auch dümmer sind
als er selber, und nicht zuletzt mit der Illusion
auszusteigen und dabei alles mitnehmen zu können was das
Leben in Deutschland zu bieten hat, wie Rechtsgrundsätze,
gesellschaftliche Regeln, soziales Netz u.s.w.
Es gibt viele, für die ist Thailand ein Traumland, und es
gibt andere, für die ist Thailand ein Alptraum, die Wahrheit
liegt wohl irgendwo dazwischen, und das muss jeder für sich
selbst definieren. Wer nach Thailand kommt um das Paradies
zu suchen, der muss sich darüber klar sein, daß Adam das
Paradies wegen der Geschichte mit dem Apfel ein für alle Mal
verspielt hat. Dieses Land ist kein Paradies und mit unserer
Kultur und Denkweise wird man dort meist auf die Nase
fallen. Man muss eine Menge Input haben um dieses Land seine
Menschen und ihre Handlungsweisen zu verstehen. Vor allem
muss man in der Lage sein seine eigene Kultur und Denkweise
in Frage zu stellen.
Dabei ist weder Blauäugigkeit noch rosa Brille
angebracht, aber auch nicht die Überziehungen und das ewige
Geschimpfe mancher 'Thailandkenner'. Keiner kann umhin seine
angeborene und erworbene Lebens- und Sichtweise mit in die
Betrachtung eines anderen Landes einzubeziehen. Ich kann mir
aber Thailand nun mal nicht so zurechtlegen wie ich es will.
Es ist so wie es ist, ein schönes Land voller Widersprüche.
Ich verstehe sehr gut, daß den Expats viele Dinge hier
mißfallen. Auch mir geht in Thailand manches gegen den
Strich, und gegen meine angeborene oder angelernte
Auffassung von Sauberkeit, Ordnung und vernünftigen Leben.
Aber ich bin nicht hier um den Thais beizubringen, wie sie
in ihrem eigenen Land leben sollen. Andererseits gefallen
mir sehr viel mehr Dinge als wie sie mir mißfallen. Wenn das
nicht so wäre, würde ich nicht hier leben, sondern in
Deutschland bleiben. Das Problem vieler Farangs ist, daß sie
aus anerkennenswerten Gründen meinen, die Thais müßten sich
unseren Wertvorstellungen und Regeln anpassen. Da kann man
eher versuchen das Meer auszuschöpfen.
Laß die Thais nach ihrem Gusto leben, und schaff dir
selbst die nötigen Freiräume, dann hast Du eine gute Chance
als Expat hier zufrieden zu leben. Es hat wenig Zweck zu
versuchen ein Thai zu werden. Auch wenn man die Sprache
spricht, sich zum Buddhismus bekennt, und sogar eine Zeit
ins Kloster geht, bleibt man doch in Thailand immer ein
Farang. Der Farang wird es bei allem Willen zur Anpassung
nicht schaffen, sein kulturbedingtes Denk- und
Verhaltensmuster auf Thai umzupolen. Wer aber unter Thais
leben will, sollte er trotzdem versuchen sich im täglichen
Leben den Thai-Gepflogenheiten anzupassen, auch wenn sie
seinem angeborenen Denkmuster nicht entsprechen. Er wird
aber selbst entscheiden müssen, wo die Grenze ist, von der
ab er nicht mehr alles akzeptiert. Das wird in der Regel
dann sein, wenn es ernsthaft an seine finanziellen Reserven,
seine Gesundheit, oder seine Selbstachtung geht. Ich habe
die Erfahrung gemacht, daß die Thais das dann auch
problemlos akzeptieren
|
|
| |
| Sanuk
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Wenn man im Wörterbuch nachschlägt, dann wird Sanuk mit
Spaß, Vergnügen übersetzt. Für die Menschen in Thailand ist
Sanuk aber mehr als nur Spaß, sondern es drückt vielmehr
ihre Lebensphilosophie aus. Das heißt nicht etwa, daß sie
nur oberflächlich dahinleben, und die Realitäten des Lebens
nicht sehen wollen. Sanuk ist vielmehr ein Ausdruck für ihre
angeborene Lebensfreude, ohne die das Leben eine eintönige
und trostlose Sache wäre. Alle Erfahrungen werden in "Sanuk"
und "mai Sanuk" (kein Spaß) eingeteilt. Gut essen, mit
Freunden zusammensitzen, einen Film sehen, und natürlich
feiern, das ist "Sanuk". Arbeit dagegen ist "mai Sanuk", vor
allem wenn sie eintönig ist, und nicht mit Freunden zusammen
durchgeführt wird, so daß auch Gelegenheit zu einem
Schwätzchen oder Späßchen ist. Sogar bei der Arbeit versucht
man daher möglichst in Gruppen zusammen zu arbeiten, um
dabei soviel Spaß wie möglich zu haben.
Vor allem auf dem Lande, wo es nicht sehr viele
Möglichkeiten gibt, sich die Zeit zu vertreiben, lieben die
Leute nichts so sehr wie ein fröhliches Beisammensein mit
Freunden oder Bekannten, möglichst mit Musik (oder was auch
nur entfernt dafür angesehen werden kann), mit Essen und
Trinken, und mit der Möglichkeit zu einem Tänzchen. Jede
Gelegenheit, ein kleines oder größeres Fest zu feiern wird
genutzt, egal ob es eine Hochzeit, ein Geburtstag, eine
Mönchsweihe, eine Hauseinweihung oder eine Beerdigung ist.
Gefeiert wird nicht etwa nur im Familienkreise, sondern je
mehr Nachbarn und Freunde dazu kommen, um so besser.
Sobald bei solch einem geselligen Beisammensein Musik
vorhanden ist, egal ob vom Kofferradio, oder mit irgend
welchen Instrumenten selbst fabriziert, wird getanzt, und
zwar der typische thailändische Ram-Wong. Das ist ein Tanz,
bei dem sich die Paare nicht berühren, sondern unter
graziöser Verdrehung der Hände und Finger einander umtanzen.
Den Ram-Wong tanzen nicht nur Paare miteinander, sondern
auch Männern mit Männern und Frauen mit Frauen. Die
unglaubliche Leichtigkeit der Bewegungen verleitet dann den
bei einem solchem Fest anwesenden Farang oft dazu, es auch
einmal zu versuchen, vor allem wenn er von netten Mädchen
dazu aufgefordert wird. Dabei macht er dann sich
unweigerlich zum Affen, wenn er mit der Grazie eines
liebeskranken Elefanten eine zierliche Thai umtanzt. Dagegen
bin ich immer wieder fasziniert, mit welch graziösen
Bewegungen sich selbst dicke Thai-Marktweiber beim Ram-Wong
bewegen.
Als ich einmal über Weihnachten in Bangkok war, wurde ich
zum Heiligen Abend von einem deutschen Bekannten, der in der
Soi Cowboy eine Go-Go-Bar betrieb, zu einer Weihnachtsparty
in sein Lokal eingeladen. Normalerweise verrenken in solch
einem Laden auf einem über der Bartheke befindlichen
Laufsteg manchmal 20 Mädchen gleichzeitig in allerknappsten
Kostümen zur Unterhaltung der Gäste ihre ansehnlichen
Glieder. Zu dem feierlichen Anlaß waren aber nicht nur alle
männlichen Gäste mit Schlips und Kragen erschienen, sondern
auch die weibliche Besatzung des Etablissements hatten alle
ihre besten Thai-Kostüme angelegt. Da es eine private
Weihnachtsfeier sein sollte, wurden deutsche
Weihnachtslieder vom Band gespielt. Aber Musik ist Musik;
die Mädchen konnten dabei nicht ruhig sitzen und fingen alle
an den Ram-Wong zu tanzen. Es war schon ein etwas
ungewöhnlicher, aber keineswegs unangenehmer Anblick, eine
Schar hübscher Mädchen zu den Klängen von 'Herbei oh ihr
Gläubigen' auf dem Laufsteg die graziösen Figuren des
Ram-Wongs tanzen zu sehen. Diesmal fanden auch die Farangs,
es wäre Sanuk gewesen.
Ein anderes Beispiel für die Fähigkeit der Thais, aus
jeder Situation möglichst viel Spaß herauszuholen, habe ich
einmal erlebt, als in einer in der Nähe der Kreisstadt
befindlichen Schuhfabrik - ich weiß nicht aus welchem Grunde
- gestreikt wurde. Statt der bei uns üblichen Streikposten,
die mit grimmigen Gesicht und fröstelnd hochgeschlagenem
Kragen den Eingang zum Werk blockieren, hatte die
Belegschaft vor dem Tor der Fabrik eine kleine Bühne
aufgebaut. Eine Kapelle mit Sängerin machte Musik, die über
eine Lautsprecheranlage noch 10 km weiter zu hören war, und
nur gelegentlich von Parolen der Streikleitung unterbrochen
wurde. Ringsherum tanzte dazu mindestens die halbe
streikende Belegschaft, überwiegend Frauen, fröhlich den
Ram-Wong . Alle Beteiligten hatten augenscheinlich einen
Heidenspaß an der Geschichte - sicherlich mit Ausnahme der
Werksleitung.
|
|
|
Schule in Thailand
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
In Thailand gibt es für alle Kinder, selbst im
entlegensten Dorf, die 6 jährige Schulpflicht. Eltern die
ihre Kinder nicht zur Schule schicken, riskieren nach dem
Gesetz 5000 Baht Strafe. Das Schulsystem in jedem Lande ist
aber ein Teil des Gesellschaftssystems. Es spiegelt die
Wertvorstellungen der Gesellschaft - in autoritären Systemen
oft auch die Ideologie der herrschenden Partei - wieder, und
vermittelt sie an die Kinder. Es ist eine Tatsache, daß das
Schulsystem in Thailand schwerfällig und uneffektiv ist, und
das ist sicherlich auch der Grund für die Schwerfälligkeit
der meisten öffentlichen Institutionen wie Behörden oder
Banken. Man ist immer wieder erstaunt über die Probleme, die
man hier antrifft, wenn es um etwas geht was nicht
alltägliche Routine ist (und das ist meist der Fall, wenn
die Angelegenheit einen Farang betrifft). Es ist meist kein
schlechter Wille, sondern die Unsicherheit selbständig eine
Entscheidung zu treffen.
Das Lernen in der Schule ist ganz auf das sture
Auswendiglernen von dem was in den Lehrbüchern steht
beschränkt. Die Schüler sind es gewohnt, nur Informationen
aufzunehmen. Traditionell sind die Schüler aufs 'Kopieren'
ausgerichtet. Der Lehrer schreibt etwas an die Tafel, und
die Kinder kopieren es ab, ohne zu verstehen, um was es sich
handelt. Systematisches, analytisches Denken und
kritikfreudige Herangehensweise an Problemen, wie deutsche
Schüler es lernen, sind in den meisten thailändischen
Schulen unbekannte Begriffe. Die Schüler kommen auch gar
nicht auf den Gedanken, daß es für viele Fragen und Probleme
nicht nur ein "Falsch" oder "Richtig", sondern auch ein
"Sowohl-als-auch" gibt.
Der Schüler wird auch nicht dazu ermuntert Fragen zu
stellen wenn er etwas nicht versteht. Es steht ihm nicht zu
Fragen zu stellen, weil er eben nur ein Schüler ist.
Bescheidenheit und Zurückhaltung, Tugenden mit hoher
Wertschätzung in Thailand, sind teilweise hierfür
verantwortlich. Thais sind normalerweise dazu erzogen, sich
nicht in den Mittelpunkt zu stellen, vor allem dann nicht,
wenn es bei der anderen, höhergestellten Person
Gesichtsverlust verursachen könnte. Können Kinder an den
westlichen Schulen dem Lehrer sagen, das hab ich nicht
verstanden, so ist das in Thailand aus mehreren Gründen
nicht möglich.
1. der Schüler dokumentiert seine eigene Unfähigkeit, und
macht sich zum Gespött seiner Mitschüler.
2. die Autorität des Lehrers wird in Frage gestellt. Es
steht dem Schüler nicht zu, diese Frage zu stellen, weil er
eben nur ein Schüler ist.
3. Von einem Lehrer, dessen Autorität in Frage gestellt
wird, wird auch ein hartes Abwehrverhalten erwartet. Kommt
dies nicht, verliert der Lehrer sein Gesicht und jeden
Respekt der Schüler.
Es wird auch keine Zeit darauf verwendet, den Schülern
beizubringen selbständig nach Problemlösungen zu suchen,
oder ihnen beizubringen wie sie an Informationen kommen, die
nicht in ihren Lehrbüchern stehen. Sie haben auch keine
Chance, sich außerhalb der Schule über irgend etwas zu
informieren. Das Fernsehen versagt in dieser Beziehung
völlig, und Zeitungen liest auch niemand. Wenn etwas gelesen
wird, dann sind es Comic-Heftchen.
Die für die Erziehung in Thailand maßgebenden Leute haben
zwar erkannt, daß eine grundlegende Änderung der Lehrinhalte
und Lehrmethoden erforderlich ist, um nicht den Anschluß an
die Entwicklung der Weltwirtschaft zu verlieren, und man
hofft mit Hilfe westlicher Methoden und Lehrbücher
Initiative und Leistungswillen bei den Kindern zu steigern.
Gleichzeitig versucht man aber, durch Betonung der
Besonderheiten und der traditionellen Eigenarten
siamesischer Kultur die erzieherischen Werte der
"Geordnetheit", des "angemessenen Platzes", der "vertikalen
Bindungen" zu erhalten. Dieses Dilemma bleibt aber unlösbar,
solange man beides will: Submission sowie produktive
Leistung. Man hat als Farang oft den Eindruck, daß die Thais
sich bei der Anpassung ihres Schulsystems mit ihrer eigenen
Tradition und Kultur im Wege stehen.
Bei den Plänen zur Schulreform ist auch der abzusehende
Widerstand der Bürokratie und der Lehrerschaft kaum
berücksichtigt worden. Nirgendwo auf der Welt kann man
absolute Autoritäten, wie es die Lehrer seit Jahrzehnten in
der Thai-Gesellschaft sind, davon überzeugen, daß sie auf
dem falschen Dampfer sind. Die Schulreform muss bei der
Lehrerausbildung beginnen. Dieser Prozeß kann in einer
Generation aber nur eingeleitet werden.
Wenn die Regierung jetzt verspricht mehr Geld in die
Schulen zu stecken, wird das auch nicht viel bringen, denn
mit Geld alleine kann man kein Wissen vermitteln. So wird
z.B. ein Regierungsprogramm, das vorsieht alle Schulen mit
Computern auszurüsten um damit ins Internet zu gelangen
wenig nützen, ohne eine zumindest rudimentäre Beherrschung
der englischen Sprache. Erst wenn die Möglichkeiten des
Internets angewendet werden, um Lehrinhalte auf den
Bildschirm zu holen und zu verarbeiten, können die immensen
Möglichkeiten die dieses neue Medium für Bildung und
Ausbildung bietet wirklich genutzt werden. Das ist aber ohne
Beherrschung der Sprache, in der international alle Menüs
und Kommandobefehle geschrieben sind kaum möglich.
Charakteristisch für die Probleme des Schulsystems in
Thailand ist z. B. der Englischunterricht. So haben selbst
die Grundschüler in Dorfschulen mindestens 4 Jahre
Englischunterricht, ohne danach in der Lage zu sein, einen
einzigen Satz in Englisch selbst zu formulieren. Dafür gibt
es natürlich seine Gründe.
- Das Gehalt der Lehrer - ein Lehrer, der tatsächlich
genug englisch kann und schlau ist, geht nach Bangkok,
weil er dort als Übersetzer locker das dreifache
verdienen kann.
- Da die Lehrer selbst kaum der englischen Sprache
mächtig sind, beschränken sie sich darauf, die Kinder
ganze Seiten der Lehrbücher abkopieren zu lassen, ohne
daß diese eine Chance haben den Inhalt zu verstehen.
- Das Lernen zu Hause - für die Kinder gibt es
beispielsweise gar keinen Platz, um Hausaufgaben
halbwegs ordentlich zu machen. Kaum eine Familie besitzt
einen Tisch, wo man sich mal länger konzentriert
hinsetzen kann, und niemand in der Familie ist in der
Lage die Hausaufgaben zu kontrollieren.
Nach dem Schulabschluss gibt es in Thailand keine
geregelte Berufsausbildung, wie wir sie bei uns kennen. Also
eine Lehre in einem Betrieb/Handwerk, mit gleichzeitiger
Berufsschulausbildung. Kleine Betriebe lernen die Arbeiter
soweit an, daß eine sinnvolle Beschäftigung an Maschinen
usw. möglich ist. Größere Firmen bilden junge Leute begrenzt
für ein bis zwei im eigenen Betrieb zu erfüllende
Arbeitsvorgänge aus. Auch für Bankangestellte wird lediglich
eine gewisse Dauer an Schulbildung als Minimum verlangt. Sie
machen dann vielleicht noch einige Jahre College-Ausbildung
und bewerben sich bei einer Bank über ihre dort schon
arbeitenden Angehörigen. Das nötige 'Rüstzeug' wird der
Angestellte dann schon mit der Zeit lernen, oder auch nicht
so gut. Das merkt man dann, wenn mit einen Vorgang, der bei
einer unserer Banken von einem Angestellten in 3 Minuten
erledigt wird, bei einer Thai-Bank oft mehrere Angestellte
über 30 Minuten beschäftigt sind.
Nach dem Negativen aber noch etwas Positives. Trotz der
geringen Schulkenntnisse ist man als Farang immer wieder
erstaunt, mit welchem Geschick die Leute Dinge angehen die
ihnen keiner beigebracht hat. Das betrifft z.B. den Bruder
meiner Frau, der obwohl er nie einen Traktor aus der Nähe
gesehen hat, mit dem Ungetüm das wir uns für den
Zuckerrohranbau angeschafft haben nach ein paar Wochen nicht
nur prima zurechtkommt, sondern auch fast alle Reparaturen
selbst erledigt.
Und das betrifft natürlich auch die Mädchen an den Bars
in Pattaya und Phuket, die obwohl sie nicht wissen daß
Deutschland in Europa liegt, und wieviel Nullen eine Million
hat, schon nach ein paar Tagen Eingewöhnung an der Bar keine
Probleme haben, einem Farang mit Hochschulbildung das Fell
über die Ohren zu ziehen.
|
|
|
Sprachprobleme
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Reist man in einem fernen Land umher, so ist es immer von
Vorteil, wenn man zumindest ein paar Worte der Landessprache
spricht. Das gilt ganz besonders für Thailand, wo sich
außerhalb Bangkoks und der Touristenzentren, die
Englischkenntnisse der Einheimischen oft auf 'hey you'
beschränken, das einem von jedem zweiten Knirps auf der
Straße fröhlich entgegengeschmettert wird.
Die paar Brocken Englisch, die alle Thais, die mit
Touristen zu tun haben, sich so angeeignet haben, sind
allerdings stark auf Thai gefärbt. Thais sprechen das 'r'
wie ein 'l' und das 't' wie ein 's' aus; auch können sie
nicht zwei Konsonanten hintereinander aussprechen, sie
schieben immer einen Vokal dazwischen. So hört sich z.B. die
Zahl 'twenty' von einem Thai gesprochen wie 'seventy' an.
Wenn man mit einem Straßenverkäufer handelt, muß man also
sehr genau aufpassen, was er nun meint.
Besser ist es natürlich, wenn man zumindest ein paar
Worte Thai kann. Alleine schon deshalb, weil der Verkäufer
oder Taxifahrer, mit dem man ja auch vor der Fahrt den Preis
aushandeln muß, dann annehmen wird, daß man sich in Thailand
auskennt und den geforderten Preis näher an den tatsächlich
üblichen Preis heranrücken wird.
Nun ist die Thai-Sprache nicht besonders schwer zu
lernen. Der Wortschatz der Umgangssprache, vor allem das,
was man so als Tourist braucht, ist wesentlich kleiner und
vor allem die Grammatik wesentlich einfacher als im
Deutschen. Während es bei den Verben keine unterschiedlichen
Endungen gibt, macht die richtige Betonung der Worte aber
jedem Farang erhebliche Probleme. Das gleiche Wort kann, je
nachdem wie es betont wird, fünf oder mehr verschiedene
Bedeutungen haben. Nun freuen sich die Thais immer, wenn ein
Farang versucht, ein paar Worte in ihrer Sprache zu
radebrechen, und sehen auch über die Patzer die sich aus
falscher Betonung ergeben - wenn meist auch mit viel
Gekicher - gerne hinweg. Manchmal fällt es einem aber
dennoch schwer, sich richtig verständlich zu machen.
Ich lag eines Tages mit meiner Thai-Frau unter einem
Sonnenschirm am Strand von Pattaya, als zur Abwechslung mal
außer den Obst- und Wasserverkäufern und den Typen, die den
dummen Farangs buntes Glas als echte Edelsteine, und gelb
eingefärbte Spatzen als exotische Kanarienvögel andrehen
wollen, ein Junge mit einem stabilen Pferdchen den Strand
entlang kam, das er den Gästen für einen kleinen Rundritt
anbot. Da ich meiner neben mir im Liegestuhl dahin dösenden
Perle etwas Gutes tun wollte, sah ich schnell in meinem
Taschenwörterbuch nach, was reiten und Pferd auf Thai heißt,
und fragte sie dann freundlich, ob sie 'kie mah' (kie =
reiten, mah = Pferd) wollte. Worauf sie mich entrüstet
fragte, ob ich noch ganz bei Trost wäre. Das Wort 'kie'
heißt nämlich nicht nur reiten, sondern auch Dreck, Abfall
oder das, was wir auf der Toilette mit der Wasserspülung in
Richtung Kläranlage befördern. Hingegen heißt 'mah' nicht
nur Pferd, sondern auch Hund. Es kommt eben ganz auf die
richtige Betonung an. Und so hatte ich mein Goldstück also
tatsächlich mit der freundlichen Frage aus dem Schlummer
geweckt, ob sie nicht ein bißchen Hundescheiße haben möchte.
Als ein Araber einmal an einem der unzähligen
Straßenrestaurants Bangkoks auf eine der in der Auslage
stehenden Schüsseln deutete, die ein zwar gut riechendes,
aber undefinierbares gulaschähnliches Currygericht enthielt,
wollte er sich zunächst überzeugen, ob darin auch kein für
ihn als Jünger Allahs verbotenes Schweinefleisch enthalten
sei. Der Thai - Verkäufer versicherte ihm aber mit
freundlichem Grinsen, das sei 'muh', worauf der Araber sich
an den Tisch setzte und - in der Meinung Fleisch von einem
'muh' machenden Rindvieh zu verzehren - sich die Sache
schmecken ließ. Erst hinterher wurde er von einem Landsmann
belehrt, daß 'muh' auf Thai Schwein bedeutet. Allah wird ihm
das Versehen aber sicher vergeben haben.
Aber auch mit dem Englischen kann man so seine Probleme
haben, vor allem in kleinen Hotels und Gästehäusern
außerhalb der Touristenzentren. Ich saß einmal in einem
kleinen Hotel in Hatyai im Süden Thailands, als am
Nebentisch eine schon etwas ältere Engländerin versuchte,
sich zum Frühstück ein Omelett zu bestellen. Das Mädchen,
das die Bestellung aufnahm, war wohl gerade erst vom Land
importiert worden und verstand kein Wort Englisch.
Jedenfalls wiederholte sie mit immer verzweifelt werdendem
Gesichtsausdruck das ihr völlig fremde Wort so, wie sie es
verstanden hatte: "omelete, amelete, omalete" usw. Bis
plötzlich ein verstehendes Aufleuchten über ihr Gesicht ging
'Aha, amalite' und sie davonschwebte. Die Engländerin wußte
nicht, wie ihr geschah, als nach zwei Minuten die Perle
schon wieder zurückkam und ihr mit freundlichen Lächeln eine
große Flasche Amarit - das ist eins der gängigen Thai Biere
- auf den Frühstückstisch stellte.
Wenn man aber die Thai Sprache einigermaßen versteht,
kann man auch seinen Spaß haben, da Thais normalerweise
davon ausgehen, daß kein Farang sie versteht und dann ganz
ungeniert ihre Späße über ihn machen. Als ich mir einmal in
einem der großen Kaufhäuser in Bangkok eine Unterhose kaufen
wollte, ging alles was auf dem Ladentisch lag nur bis Größe
M. Ich versuchte also der netten kleinen Verkäuferin klar zu
machen, daß ich, als mit etwas größerem Leibesumfang
gesegneter Farang, mindestens XL, besser noch XXL benötigte.
Als nun das Mädchen der etwas weiter entfernt stehenden
Abteilungsleiterin oder Oberverkäuferin zurief, ob sie diese
Größen überhaupt hätten, rief diese zurück, sie hätten nur
Unterhosen für Männer, nicht für Elefanten, worauf natürlich
die ganze Clique umherstehender Verkäuferinnen in Gekicher
ausbrach. Als ich dann aber der Dame in einigermaßen
verständlichem Thai sagen konnte, was ich von ihrer
Höflichkeit gegenüber Farang-Kunden hielte, schämte sie sich
fast in den Boden und ich konnte die Stätte zwar ohne
Unterhose, aber doch immerhin mit dem Gefühl verlassen,
einen moralischen Sieg errungen zu haben.
Ein Bekannter, der etwas Thai sprach, wurde an der Bar
von einem Mädchen, die wissen wollte ob es sich lohnte sich
länger mit diesem Farang zu beschäftigen gefragt 'you have
madam in room?'. Worauf dieser antwortete 'no, I not like
black dogs, I like girls'. Auf Thai heißt nämlich dog 'mah'
und black 'dam'. Nach einigem Erstaunen der Mädchen an der
Bar gab es aber ein großes Gelächter, und alle freuten sich
über den Farang, der so gut Thai sprach.
Ein Problem für Farangs ergibt sich oft durch das Fehlen
des Wortes "nein" in der Thai-Sprache. Am nächstem dem
deutschen 'nein' kommt noch der thailändische Ausdruck "mai
chai", wörtlich übersetzt "nicht ja". Thais verneinen also
höchst ungern eine Frage und sagen z.B. auf die Frage eines
Farangs ob sich das gesuchte Hotel in dieser Straße befinde
lieber "ja" als "ich weiß nicht". Das Fehlen des Wortes
"nein" im Thai Wortschatz wird von einigen Landeskennern
übrigens gerne als Grund für den offensichtlichen Mangel an
Jungfrauen in bestimmten Landesteilen genannt.
Schwieriger als mit der Sprache ist es aber mit der
Schrift. Das Thai-Alphabet kennt ca. 50 verschiedene
Zeichen, die mit anderen uns bekannten Schriftzeichen
keinerlei Ähnlichkeit haben. Die Thailändische Schrift wird
auch ausschließlich in Thailand und in keinem anderen Land
benutzt. Im Laufe der Zeit haben viele Farangs, die länger
in Thailand leben, gelernt sich mehr oder weniger auf Thai
zu verständigen. Ich habe aber in meinen Jahren in Thailand
noch kaum einen Farang getroffen, der auch die Thai-Schrift
beherrscht hätte.
|
|
| Status
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Die Thai-Gesellschaft ist hierarchisch strukturiert,
nicht nur an der Spitze, sondern auf allen Ebenen. Jeder
nimmt einen bestimmten Platz in der sozialen Rangordnung
ein. Alle Beziehungen werden bestimmt von dem Status der
betroffenen Personen, das heißt nach einer Reihenfolge, die
den Rang festlegt, der durch Alter, Reichtum, sowie
persönliche und politische Macht definiert wird. Beispiele
für die statusbestimmte Abhängigkeit sind z.B. Erwachsene –
Kinder, Lehrer – Schüler, Chef – Angestellter,
Staatsangestellter – einfacher Bürger, oder auch Thai –
nicht Thai. Wenn andere Kriterien nicht vorhanden oder
erkennbar sind, ist das Alter ein entscheidender Faktor. Der
Fremde wird schon nach 2 Minuten Bekanntschaft nach seinen
persönlichsten Dingen befragt, z.B. ob er verheiratet ist,
wie viele Kinder er hat, was er für einen Beruf hat, und
wieviel Geld er monatlich verdient. Es sind aber alles
Fragen um seine Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse zu
bestimmen. So vieles auch in Thailand anders sein mag: ein
Ingenieur oder ein Arzt ist auch hier ein gebildeter,
wohlsituierter Mensch. Ein Bauarbeiter hingegen ein armer
Hund. Entgegen der bei uns geltenden Einschätzung von
Beamten, ist ein Staatsdiener in Thailand aber zweifelsfrei
immer eine Respektsperson. Wenn diese Beziehungen und
Abhängigkeiten auch in der übrigen Welt bestehen, so haben
sie jedoch in Thailand eine besondere Bedeutung.
Die Karma-Lehre des thailändischen Buddhismus erklärt die
hohe oder niedrige Stellung eines Menschen durch die
Verdienste und Vergehen in seinen früheren Leben. Soziale
Verschiedenheiten werden somit nicht, wie in westlichen
Ländern, als Ausdruck einer ungerechten Gesellschaftsordnung
aufgefaßt, sondern als die Wirkung einer durchgehenden
Gerechtigkeit der Weltordnung. Der Hochgestellte, Mächtige
hat sein irdisches Glück und seine Autorität seiner
Tugendhaftigkeit und seinen Verdiensten in früheren
Existenzen zu verdanken, der ältere Mensch wiederum, der
durch viele Taten in seinem (gegenwärtigen) Leben Verdienste
angehäuft hat, steht auch in der Karma-Hierarchie höher als
der jüngere.. Diese Herleitung der Autorität führt zu einem
in sich geschlossenen System, das in kontinuierlicher
Staffelung von den alltäglichen Sozialbeziehungen des
Dorfes, über die regierenden Schichten bis zum König
hinführt. Diese Karma-Lehre verleiht dem Autoritätssystem in
Thailand seine Festigkeit. Die Karma-Lehre rechtfertigt
nicht nur die Vorrechte der Herrschenden, sondern macht die
Stellung jedes einzelnen sinnvoll und verständlich.
Innerhalb dieser Hierarchie läßt sich der Stand des
Individuums im Einzelfall relativ leicht bestimmen. Die
ersten Phasen einer Konversation zwischen zwei sich bisher
unbekannten Thailändern bestehen meist in einem mehr oder
weniger taktvollen Versuch, die Statusfaktoren abzuklären,
um festzuhalten wer höher oder niedriger an Rang sei: Was
arbeitet er, welche Position nimmt er ein, hat er studiert,
ist er älter oder jünger, hat er Kinder und wie viele. Sind
diese gegenseitigen Verhältnisse abgeklärt, sind Grußformen,
Sprechweise, Entschlußrecht und Verantwortungsbereich
festgelegt und werden genau so selbstverständlich
eingehalten, wie etwa bei uns die Formen höflichen
Verhaltens unter gebildeten Menschen. Der im Rang niedriger
Stehende (phunoi) begegnet dem Höherstehenden (phuyai) mit
einer respektvollen Geste, dem Wai. Dabei gibt es
verschiedene Stufen jemanden durch einen Wai seinen Respekt
zu zeigen. Sie sind in ihrer symbolischen Bedeutung
traditionell festgelegt. Die Form des Wais zeigt an, welchen
Status man der Person zuordnet, die den Wai empfängt. Man
braucht selbst als Farang gar nicht so viel Erfahrung, um
bei der Begegnung zweier Thais feststellen zu können, wer
der Ranghöhere und wer der Rangniedrige ist.
Früher lagen Macht und Reichtum ausschließlich bei der
Adelsklasse. Seit Thailand aber eine offene Gesellschaft
geworden ist, in der das alte Adelsmonopol nur noch
beschränkt gilt, ist der Kampf um Macht und Reichtum immer
intensiver geworden, und zeigt sich vor allem in der
ostentativen Zurschaustellung der entsprechenden Symbole. Da
die Thai Wertordnung sich weniger nach persönlichen
Verdiensten, sondern nach Rang und Status richtet, ist es
deshalb auch untypisch und töricht, seine Stellung
bescheiden zu verschweigen. Die Statussymbole müssen gezeigt
werden, egal ob es die Orden auf der Schuluniform der
Lehrerin, oder die dicke Goldkette am Hals der Marktfrau
ist.
Das Einhalten des angemessenen Platzes bedeutet aber
nicht nur daß die Formen, sondern auch die Handlungen den
Autoritätsverhältnissen angepaßt werden. Dem Höhergestellten
stehen immer die Entscheidungen über das, was zu unternehmen
ist, und die Bewertung der Handlung zu. Er erwartet, daß
Befehle und Anordnungen angenommen und ausgeführt werden.
Auch bei uns liebt kein Vorgesetzter den Widerspruch,
betrachtet ihn aber als eine sinnvolle Unbequemlichkeit. Für
den thailändischen Vorgesetzten dagegen ist der Widerspruch
des Untergebenen oder des Jüngeren Ausdruck der Mißachtung
seiner Autorität, und damit eine moralische Unmöglichkeit,
ihn zu akzeptieren..
Dieses Autoritätsystem, mag auch die
Leistungsschwierigkeiten erklären, die man bei vielen Thais
antrifft. Es sind kein Mangel der Natur, sondern eine
Auswirkung der Kultur, die das Leistungsverhalten in
spezifischer Weise formt. Die Erziehung zum Einhalten des
angemessenen Platzes reduziert die Leistungsansprüche an den
jungen Menschen und gibt ihm die Sicherheit, sich auf den
Höhergestellten zu stützen und verlassen zu können. Die
Kultur verlangt nicht vom ihm, daß er seine
Leistungsfähigkeit an Widerständen messe, sondern sie
verlangt vor allem, daß er sich lächelnd und widerspruchslos
füge. Dagegen sind Thais in den Fällen, wo der
Arbeitsvorgang durch Tradition oder Vorbilder klar umrissen,
und wo der Leistungsdruck bzw. der Leistungsanreiz von außen
stark genug ist, einsatzbereite und zuverlässige Arbeiter.
Oft werden die Thais bei der Beurteilung ihrer
wirtschaftlichen Erfolgs auch mit den Chinesen verglichen.
Die Chinesen sind aber weniger aus Anlage tüchtigere
Kaufleute als viele Thais, sondern einfach deswegen, weil
sie sich auf völlig anderem kulturellen Boden gründen. Ein
Thai-Händler, der sich dem Ranghöheren gegenüber
respektvoll, dem Rangniedrigeren gegenüber großmütig zu
verhalten hat, wird schlechte Geschäfte machen, so daß der
Chinese ihm überlegen sein muss.
Thais verknüpfen aber mit der durch das Autoritätssystem
gegebenen Abhängigkeit auch Verpflichtungen, gegen die zu
verstoßen den guten Sitten widerspricht, und evt. sogar das
Gesicht verlieren läßt. Der im Rang niedriger stehende,
sollte dem Ranghöheren gegenüber bis zu einem gewissen Grade
Gehorsam und Achtung (kreng jai) zeigen. Dagegen hat der
Höherstehende die Verpflichtung, sich um den anderen zu
kümmern und wenn möglich auch zu helfen. Wenn z.B. einige
Leute zusammen im Restaurant sitzen, wird erwartet, daß der
jeweils im Rang am höchsten stehende die Rechnung übernimmt
(es sei denn es ist ein Farang dabei, von dem dann in jedem
Falle erwartet wird, daß er die Zeche bezahlt).
Durch die Globalisierung und durch das selbst im tiefsten
Isaan verfügbare Fernsehen, wie auch durch die vermehrten
direkten und indirekten Kontakte der Bevölkerung mit dem
westlichen Ausland verändert sich aber auch die siamesische
Kultur. Die ökonomische Struktur der Gesellschaft wandelt
sich durch Technisierung, Industrialisierung und durch
Intensivierung des Handels. Die politische Struktur wandelt
sich durch die Demokratisierung, die zumindest im Prinzip
auch dem einfachen Mann den Aufstieg in die oberen Stufen
der sozialen Hierarchie möglich macht. Damit wandelt sich
auch die soziale Struktur und auch die absolute
Autoritätshörigkeit, Die im vergangenen Jahrzehnten
durchgeführten Studentendemonstrationen gegen die
politischen Machthaber waren unübersehbare Anzeichen einer
Umbewertung der Autorität.
|
|
|
Geschichten aus Thailand
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Die Polizei dein Freund und Helfer
Obwohl die Einkünfte der Polizisten geringer sind, als
die vergleichbarer Angestellten in der privaten Wirtschaft,
ist Polizist doch ein sehr begehrter Beruf. Der Staat bietet
viele Vergünstigungen, wie die Erstattung von Arzt- und
Krankenhauskosten für die ganze Familie, Kindergeld und
schließlich eine Rente. Nicht zuletzt bietet sich aber dem
Polizisten auch noch die Möglichkeit durch Tee-Geld die
schmalen Bezüge aufzubessern.
Dabei muß man sich hüten, die Angelegenheit mit unseren
Maßstäben zu messen. Ein einfacher Verkehrspolizist in
Bangkok bekommt ein Gehalt von etwa 20000 Baht (ca. 1000 DM)
im Monat. Damit muß er nun seine Familie durchbringen, wobei
zwar die Nahrungsmittel und auch die Wohnungen allgemein nur
etwa halb so teuer sind wie bei uns, andere, nicht in
Thailand hergestellte Gebrauchsgüter wie Elektrogeräte,
Fahrzeuge, u.s.w. aber meist teurer kommen. Dem Polizisten
bleibt also gar nichts anderes übrig, als zu sehen, wie er
zusätzlich an ein paar Baht kommt, vor allem wenn er dann
auch noch Kinder auf eine schulgeldpflichtige Oberschule
schicken will. Und da das Leben insbesondere für Thais nicht
nur aus Arbeit, sondern vor allem auch aus Sanuk besteht,
will auch das finanziert werden. Hierzu eine kleine
Geschichte, die meinem Freund Hans oder - da er vom anderen
Ufer ist - auch Hansi genannt, mit der Polizei widerfuhr.
Hansi war als Aussteiger von Deutschland nach Phuket
gekommen, hatte sich von dem mitgebrachten Geld zwei
Motorräder gekauft und betrieb nun an der Uferstraße in
Patong-Beach einen Motorradverleih für Farangs. Da er selbst
als Ausländer mit Touristenvisum in Thailand keine Tätigkeit
ausüben durfte, lief das Geschäft auf den Namen seines
Thai-Freundes mit dem er zusammenlebt.. Wenn nun ein Farang
ein Motorrad mieten will, muß er in der Regel seinen Paß
oder Führerschein vorlegen, aus dem dann alle Angaben
notiert werden, und einen vorgedruckten Mietvertrag
unterschreiben. Eines Tages hatte Hansis Thai-Freund nun das
beste Stück, eine 250er Suzuki, an einen Thai verliehen,
ohne sich irgend etwas zu notieren. Als der Knabe nun, wie
gleich zu vermuten war, das Motorrad nicht zurückbrachte,
blieb Hansi nichts anderes übrig, als die Maschine bei der
Polizei als gestohlen zu melden, ohne viel Hoffnung sie
jemals wiederzusehen.
Aber unerwarteterweise erschien nach ein paar Wochen ein
Polizist in Hansis Wohnung, um ihm mitzuteilen, daß die
gestohlene Maschine aufgefunden worden war und in der
zuständigen Polizeistation stand. Am nächsten Tag zog Hansi
also mit seinem Kraftfahrzeugbrief und den Kaufunterlagen
zur Polizeistation, um sein Eigentum wieder im Empfang zu
nehmen. Tatsächlich stand seine Maschine auch dort in einem
Schuppen, zwar 10.000 Kilometer älter, aber sonst ziemlich
unbeschädigt. Die Polizei hatte sie bei einer Razzia im Zuge
einer Rauschgiftfahndung zufällig entdeckt und sie
kurzerhand konfisziert, da der Verdächtige den Kauf der
Maschine nicht nachweisen konnte. Ein fleißiger Polizist
hatte dann beim Vergleich der Motornummer mit der Liste der
als gestohlen gemeldeten Fahrzeuge tatsächlich
herausgefunden, wem das gute Stück gehörte. Als Hansi nun
aber auf der Polizeistation erschien und die Maschine unter
Vorlage seiner Unterlagen wieder mitnehmen wollte, belehrte
ihn ein freundlicher, einige Worte Englisch sprechender
Polizist, daß da erst noch ein Formular auszufüllen sei,
natürlich in Thai. Er wollte ihm aber gerne dabei helfen,
nur nicht jetzt, sondern erst nach Feierabend.
Hansi, der den guten Rat eines schon besser mit den
örtlichen Verhältnissen vertrauten Bekannten, bei der
Polizei einfach 3000 Baht auf den Tisch zu legen, als
unmoralischen Bestechungsversuch zurückgewiesen hatte, denn
schließlich handelte es sich doch nur um sein unbestrittenes
Eigentum, merkte jetzt langsam, worauf die Sache hinauslief.
Was blieb ihm aber anders übrig, er lud den freundlichen
Polizisten also für den Abend in ein von diesem
vorgeschlagenes Restaurant ein, um bei einem kleinen Mahl
mit Umtrunk die lästigen Formalitäten zu erledigen. Er war
allerdings ziemlich überrascht, als er abends merkte, daß es
sich bei dem vorgeschlagenen Restaurant um eins der besten
und natürlich auch teuersten Häuser am Platz handelte.
Als er in dem Lokal ankam, war der freundliche Polizist
noch nicht da, erschien aber ein paar Minuten später, sagte
daß er noch mal kurz zur Polizeistation müßte und fragte
Hansi höflich, ob er evt. auch noch ein paar Kollegen
mitbringen dürfte. Was blieb Hansi also anders übrig als mit
saurem Gesicht 'ja' zu sagen, denn er wollte ja schließlich
sein Motorrad wiederhaben. Bevor der freundliche Polizist
nun ging, um seine Kollegen zu holen, sprach er noch ein
paar Worte mit dem Wirt, der Hansi daraufhin in ein leeres
Nebenzimmer des Lokals komplimentierte. Langsam schwante
Hansi jetzt Schlimmes, er fiel aber fast vom Stuhl, als nach
einer Viertelstunde fröhlich 15 Polizisten
hereinmarschierten und an seinem Tisch Platz nahmen. Und
dann trug der Wirt alles auf was gut und teuer war:
Langusten und Krebse, verschiedene Sorten gebratenes
Fleisch, Reis und Gemüse und zum Schluß verschiedene
Süßspeisen. Getrunken wurde auch kräftig, und zwar nicht der
landesübliche Thai-Schnaps, sondern importierter Whisky und
ebensolche Biere in großen Flaschen. Es war eine richtig
schöne Party, nur nicht für Hansi, der mit Grausen an die
Rechnung dachte. Als er den freundlichen Polizisten
schüchtern an den ursprünglichen Zweck der fröhlichen
Veranstaltung erinnerte, nämlich an das gemeinsame Ausfüllen
des Formulars, war dieser der Meinung, daß man sich den
schönen Abend doch nicht durch geschäftliche Dinge verderben
sollte, das könne man auch noch am nächsten Tag auf der
Polizeistation erledigen.
Als zum Schluß endlich die Rechnung kam, belief sie sich
auf knapp 20.000 Baht (ca. 1000 DM) Da Hansi soviel Geld
natürlich nicht bei sich hatte, erklärte sich der
freundliche Polizist aber dem Wirt gegenüber bereit, für
Hansi zu bürgen. Er hatte ja schließlich noch das Motorrad
als Pfand. Beim Abschied bedankte sich jeder Polizist
höflich für die Bewirtung Am nächsten Morgen zog Hansi also
zur Bank, plünderte sein Konto, zahlte die Rechnung des
fröhlichen Abends und konnte dann, gegen Vorlage der
bezahlten Rechnung, nun endlich seine Maschine im Empfang
nehmen; von dem bewußten Formular war überhaupt nicht mehr
die Rede.
Der Wai
Das ist die graziöse Begrüßungs- oder auch
Danksagungsgeste der Thais. Sie wird ausgeführt, indem man
die mit den Handflächen zusammengelegten Hände langsam nach
oben vor die Brust oder - wenn man besondere Verehrung
ausdrücken will - vor das Gesicht führt und dabei den Kopf
etwas neigt. Der Wai wird grundsätzlich zuerst von der im
Status niederstehenden der höherstehenden Person oder vom
Personal eines Restaurants oder Hotels den Gästen gegenüber
erwiesen. Der Fremde begegnet dieser schönen Sitte meist zum
ersten Male, wenn er eine Maschine der Thai Airways betritt
oder in ein gutes Hotel kommt und macht dann als höflicher
Mensch oft den kapitalen Fehler, den Wai zurückzugeben.
Für die Entbietung dieses Grußes, bzw. für seine
Erwiderung, gelten nämlich in der Thai-Gesellschaft
bestimmte Regeln, die ein Farang allerdings doch meistens
nicht begreift. So zeigt etwa die Höhe, bis zu der man die
Fingerspitzen erhebt, an, welchen sozialen Status man dem
anderen zubilligt. Der Wai mit bis zur Stirn erhobenen
Fingerspitzen steht nur dem König und den Mönchen zu. Von
der rangniederen bzw. der jüngeren Person wird immer
erwartet, daß sie den Wai zuerst praktiziert. Wer den Wai
falsch praktiziert, läuft immer Gefahr sich lächerlich zu
machen. Um sich nun nicht zu blamieren, sollte der Farang
beim Wai folgendes beachten:
Zunächst wird man den Wai als erster nur den im Status
höher gestellten Leuten entbieten, also z.B. dem Chef, einem
hohem Behördenvertreter, einer ehrwürdigen älteren Person
(z.B. den Schwiegereltern) oder aber Mönchen, die in der
Thai-Gesellschaft, unabhängig von ihrem Lebensalter, für die
Zeit in der sie die gelbe Kutte tragen, den höchsten
sozialen Status einnehmen. Sogar der König wird einem Mönch
den Wai zuerst entbieten, den dieser grundsätzlich nicht
zurückgibt.
Bei Kindern und Dienstleistungspersonal erwidert man den
Wai grundsätzlich nicht, sondern antwortet lediglich mit
einem leichten Kopfnicken. Auf keinen Fall sollte man sich
für eine erwiesene Dienstleistung, z.B. beim Hotelpersonal,
mit einem Wai bedanken, da sich derjenige nicht nur
veralbert fühlen, sondern ihm das auch Unglück bringen
würde.
Überhaupt wird der Wai in Thailand viel weniger
praktiziert als man als Farang gewöhnlich annimmt. In der
vornehmen Gesellschaft von Bangkok mag es vielleicht anders
sein, aber auf dem Land werden die Nachbarn höchstens bei
feierlichen Anlässen, also z.B. bei der Einladung zu einem
Fest, mit dem Wai begrüßt. Kommt man allerdings bei
irgendeiner Gelegenheit mit einem Mönch in Kontakt, dann ist
der Wai immer angebracht.
Dem Farang der es unternimmt, Thais die er geschäftlich
oder privat trifft, mit einem höflichen Wai zu begrüßen,
wird es immer wieder passieren, daß der andere versucht, ihm
zur Begrüßung nach westlicher Art die Hand zu schütteln,
woraus sich dann meist eine ziemlich komische Situation
ergibt. Als immer richtige Regel kann man angeben, daß ein
Farang - ausgenommen bei verehrungswürdigen Personen - nie
zuerst mit dem Wai grüßen sollte. Entbietet der andere
zuerst den Wai, dann kann man ihn entweder mit einem etwas
schwächeren Wai erwidern oder freundlich leicht mit dem Kopf
nicken, beides ist in Ordnung und wird als höfliche Geste
aufgefaßt. Auf keinen Fall den Wai zurückgeben darf man an
Bedienstete, Kinder oder aber wenn sich ein Thai mit einem
Wai für etwas bedankt.
Abzuraten ist auch davor, den Wai mit einer gefüllten
Bierflasche in der Hand zu versuchen, eine Situation in die
man z. B. bei einer Party oder in einer Bar leicht kommen
kann. Je nach Neigung der Flaschenöffnung und Höhe bis zu
der man die gefalteten Hände mit der dazwischen
festgehaltenen Bierflasche hebt, wird sich der Inhalt
entweder in den eigenen Hemdausschnitt oder über die Hose,
bzw. den Rock der so freundlich begrüßten Person ergießen.
Der Wai wird nicht nur gegenüber Personen gebraucht,
sondern ebenso für alle verehrungswürdigen Objekte, also vor
allem Buddha-Standbilder. Wenn man in einem Reisebus sitzt,
wird man immer wieder sehen, daß die Thais im Bus durchs
Fenster einen Wai machen, wenn der Bus an einem Tempel oder
an einem verehrungswürdigen Buddha-Schrein vorbeifährt.
Den Verfall der Sitten in Touristenorten kann man heute
auch daran sehen, daß noch vor 10 Jahren, wenn der von
Phuket Town zum Hauptstrand, der Patong-Beach fahrende Bus,
an einem auf dem höchsten Punkt der Straße gelegenen
Buddha-Schrein vorbeifuhr, fast alle Thais im Bus den Wai
machten. Heute sind es leider nur noch ein paar, meist die
Alten, die im Bus diese Ehrfurchtsgeste entbieten.
Manchmal kann für den armen Touristen diese schöne Sitte
aber auch haarsträubend werden, z.B. an der
verkehrsreichsten Kreuzung Bangkoks, vor dem Erawan-Schrein,
wo die Rotphase der Verkehrsampel manchmal mehr als 10
Minuten dauert. Da kommt es schon mal vor, daß der Taxi-
oder Tuk-Tuk - Fahrer vor Umspringen der Ampel auf Rot
gerade noch schnell mit quietschenden Reifen auf zwei Rädern
um die Kurve jagt und dabei dann beide Hände vom Steuer
nimmt, um dem an der Ecke stehenden wundertätigen Standbild
des Gottes Brahma einen Wai zu erweisen.
Etwas seltsam mutet es dem Farang auch an, wenn in einer
Striptease-Bar auf der Patpong Road, die Mädchen, wenn sie
auf die Bühne steigen um sich zu präsentieren, zunächst
einen Wai zu dem in der Ecke des Lokals hängenden Hausaltar
mit dem Buddha-Standbild machen. Ob sie nun den Buddha um
Vergebung für das bitten wollen, was sie im Begriff sind zu
tun oder darum, daß er ihnen heute abend einen guten Gast
bescheren möge, wissen sie wohl selber nicht genau.
Wahrscheinlich wollen sie beides.
Relative Wahrheiten
Thais haben ein erstaunliches Geschick, unangenehmen
Dingen möglichst auszuweichen oder, falls das nicht möglich
ist, sie einfach zu ignorieren. Das gilt unter anderem auch
für den Umgang mit der Wahrheit. Thais lügen nicht etwa, sie
sagen nur manchmal nicht die volle Wahrheit und zwar immer
dann, wenn sie das Gefühl haben, daß es für sie oder auch
den anderen unangenehme Folgen haben könnte. Einen
augenblicklich bestehenden Konflikt durch lügen zu lösen ist
für Thais eine selbstverständliche Verhaltensweise. Thais
leben nur in der Gegenwart, daß eines Tages, wenn die Lüge
offenbar wird, der Konflikt noch stärker auftreten wird
stört sie dabei überhaupt nicht. Erstens passiert das in der
Zukunft und ist daher im Augenblick uninteressant und
zweitens wird einem dann schon etwas neues einfallen.
Nun ist zwischen dem knallharten Lügen, also dem, was in
den 10 Geboten als Sünde bezeichnet wird und dem 'nicht die
volle Wahrheit sagen', ein gewaltiger Unterschied, wie uns
unsere eigenen Politiker tagtäglich vorführen. In dieser
Grauzone kennen sich die Thais bestens aus, wie vielleicht
die folgenden kleinen Beispiele zeigen:
Ein deutscher Monteur sollte eine aus Deutschland auf
eine Großbaustelle im Norden Thailands geschickte neue
Betonpumpe in Betrieb nehmen. Bei der Ankunft auf der
Baustelle mußte er aber feststellen, daß beim Transport ein
für die Bedienung wichtiger Anschlußstutzen abgebrochen war.
Da das abgebrochene Teil aber noch da war und auch ohne
weiters wieder elektrisch angeschweißt werden konnte, ging
er in die Werkstatt der Baustelle, sah dort ein nagelneues
Elektroschweißgerät stehen und fragte den zuständigen Thai -
Schlosser, ob er das abgebrochene Teil wieder anschweißen
könne. Dieser bestätigte ihm freundlich, daß das gar kein
Problem sei und die kleine Reparatur selbstverständlich
erledigt werden könnte.
Als unser Monteur am nächsten Morgen wieder in die
Werkstatt kam, war er der Meinung, daß die kleine Arbeit,
die keine halbe Stunde in Anspruch nehmen konnte, inzwischen
erledigt worden sei. Die Pumpe stand jedoch noch unberührt
in der Ecke. Schon vor der Abreise aus Deutschland hatte man
den Monteur vorgewarnt, man bräuchte in Thailand viel
Geduld, weil dort die Uhren anders laufen. Der gute Mann bat
den freundlichen Schlosser also nochmals höflich, die kleine
Reparatur doch bald auszuführen, was dieser auch genauso
höflich zusagte. Nachdem sich das gleiche Spielchen über ein
paar Tage wiederholt hatte - dem Monteur zunächst gar nicht
so unangenehm, denn ein paar bezahlte Urlaubstage in
Thailand sind ja auch nicht zu verachten - riß ihm doch am
Ende der Woche der Geduldsfaden und er wurde grob. Darauf
stellte sich heraus, daß die Reparatur überhaupt nicht
ausgeführt werden konnte, weil wohl ein nagelneues
elektrisches Schweißgerät, aber keine Schweißelektroden auf
der Baustelle waren. Die hatte man zwar in Bangkok
reklamiert, sie waren aber bislang nicht eingetroffen.
Als daraufhin der Farang dem Thai vorwarf, er habe ihn
belogen, antwortete dieser beleidigt, daß er ja nur gefragt
worden sei, ob er elektroschweißen könne, und wenn er erst
mal die Elektroden hätte, würde er das schon beweisen. Auf
die Frage, warum er denn nicht gleich gesagt hätte, daß
keine Elektroden da waren, kam die klassische Antwort: 'Zum
einen wollte ich dich nicht traurig machen, und zum anderen
hätten die Elektroden ja jeden Tag kommen können, dann wäre
die Reparatur in ein paar Minuten erledigt gewesen.'
Noch ein anderes Beispiel: Von Zeit zu Zeit kommt ein
Familienmitglied zu mir und fragt, ob ich ihm nicht schnell
einmal 1.000 Baht leihen könnte. Nun bin ich nicht gerade
Millionär, aber wenn ich mich davon überzeugt habe, daß das
Geld für einen lebenswichtigen Zweck, wie den Kauf von
Material zur Reparatur des durchlässig gewordenen Daches,
von Düngemitteln oder von Treibstoff benötigt wird, dann
rücke ich schon mal den nach unseren Begriffen meist
geringen Betrag unter 100 DM heraus, wobei ich mir dann
vollkommen darüber im klaren bin, daß ich das 'geliehene'
Geld nie wieder sehen werde, sondern unter dem Konto 'Hilfe
für die dritte Welt' abbuchen kann.
Als nun eines Tages der Vater meiner Frau wieder mal kam
und von mir 1.000 Baht zum Kauf eines Fasses Diesel zum
Betreiben der Bewässerungspumpe und des kleinen Motorpflugs
leihen wollte, gab ich ihm das Geld, fragte ihn dann aber,
warum er denn immer sagen würde, er wollte das Geld nur
leihen, wo er doch genau wüßte, daß er den Betrag nie
zurückzahlen kann. Das wäre doch eine glatte Lüge und auch
für Buddhisten eine Sünde. Worauf der Vater mir beleidigt
erwiderte, daß er mich keineswegs belüge, wenn er sagt, er
wollte das Geld wieder zurückzahlen. Schließlich kaufe er ja
alle 14 Tage ein Los der staatlichen Lotterie und sollte er
dort eines Tages das große Geld gewinnen, würde er mir das
Geliehene mit Zins und Zinseszins zurückzahlen. Daß der
Lotteriegott ihm bisher nicht gewogen war, sei doch wohl
nicht seine Schuld. Er für sein Teil habe es jedenfalls
nicht an Opfergaben fehlen lassen.
Diesen etwas opportunistischen Umgang der Thais mit der
Wahrheit, trifft man auch beim Umgang mit überirdischen
Gesprächspartnern an. Als ich, noch zu Beginn unserer
Bekanntschaft, einmal mit meiner Freundin ein Kloster
besuchte, war dort gerade eine religiöse Zeremonie zu Gange.
Auf einem etwas erhöhten Streifen an der Seite des Gebäudes
saß eine Reihe von Mönchen, mit dem Abt am rechten Flügel
und ihnen gegenüber saß die andachtsvolle Gemeinde. Da ich
so etwas noch nicht gesehen hatte, hockten wir uns auch auf
den Boden, Meine Freundin unter die Gemeinde und ich etwas
im Hintergrund. Die ganze Zeremonie bestand aus einem
Wechselgesang zwischen den Mönchen und der Gemeinde, der
sich über eine Stunde hinzog. Verstehen konnte ich natürlich
kein Wort; zum einen sprach ich damals noch kaum Thai, zum
anderen verwendet die buddhistische Liturgie nicht Thai,
sondern Pali, die alte Priestersprache. Mir fiel aber auf,
daß am Ende der Veranstaltung die Mönche mehrmals einen
kurzen Text vorbeteten, den die Gemeinde dann wortwörtlich
wiederholte.
Als ich meine Freundin anschließend fragte, was denn der
kurze Wechselgesang am Schluß bedeutet hätte, bei dem die
Gemeinde sich nach jedem Satz mit dem Kopf bis auf den Boden
verneigte, erklärte sie mir, daß die Mönche die fünf Gebote
Buddhas vorgebetet und die Gläubigen versprochen hätten,
diese Gebote zu halten. Ich konnte mir daraufhin nicht
verkneifen zu bemerken, daß sie dann doch eben mindestens
bei einem Gebot gelogen haben müßte. Darauf antwortete sie
entrüstet, daß das mitnichten der Fall wäre. Sie hätte zwar
versprochen nicht zu töten, nicht zu stehlen u.s.w., beim
Keuschheitsgebot hätte sie jedoch den Mund gehalten und
somit keineswegs gelogen.
Die Geister
Thais leben mit Geistern. Für sie sind übernatürliche
Mächte genau so selbstverständlich ein Teil der sie
umgebenden Welt wie Felsen, Bäume und Kanäle. Dieser
Geisterglaube und die sich daraus ergebenden
Verhaltensweisen und Tabus kollidieren aber keineswegs mit
dem Buddhismus, dem doch immerhin etwa 90 % der
thailändischen Bevölkerung angehören und der in Thailand
Staatsreligion ist. Grundsätzlich sind Buddha und die seine
Lehren verbreitenden und praktizierenden Mönche für alles
zuständig, was mit den Anstrengungen zu tun hat, im nächsten
Leben eine höhere Daseinsstufe zu erringen.
Für das tägliche Leben hingegen, für alles Gute und Böse
sowie für das Glück und Unglück, das einem widerfahren kann,
ist nicht Buddha zuständig, sondern die uns unsichtbar
umgebenden, übernatürlichen Mächte, also kurz gesagt die
Geister. Zur Illustration des Geisterglaubens hier eine
kleine Story, die typisch für die Denkweise der Thais beim
Umgang mit den Geistern ist. Es ist die makaber-lustige
Geschichte von Manfreds Geist:
Manfred war ein typischer Aussteiger aus der Gegend von
Braunschweig. Er hatte Anfang der 70er Jahre die Heimat auf
der Flucht vor Ehefrau oder Finanzamt verlassen und sich mit
dem rechtzeitig noch beiseite geschafften Geld eine kleine
Bar in dem damals gerade vom Tourismus entdeckten Badeort
Pattaya gekauft. Ich habe nun im Laufe der Jahre viele
Farangs getroffen, die mit einer ähnlichem Lebensgeschichte
wie Manfred eine Kneipe in Thailand aufgemacht haben. In den
meisten Fällen waren sie nach ein paar Jahren am Ende und
das Geld war futsch. Ob eine Farang-Kneipe in den
Touristenzentren längerfristig Erfolg hat, hängt weder von
der Ausstattung, noch von den Mädchen hinter der Theke, noch
von den Bierpreisen ab. Entscheidend ist, daß es dem
Inhaber, hinter oder vor der Theke stehend gelingt, in der
Bar eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der meist im
mittleren Alter befindliche Tourist wohlfühlt. Kurz gesagt,
eine Stammtischatmosphäre in der Fremde, wo man Kumpels
trifft, mit denen man klönen und trinken kann und vor allem
mit einem Wirt, der einen schon am zweiten Tag der
Bekanntschaft wie einen alten Freund mit dem Vornamen
begrüßt.
Solch ein Kerl war Manfred: seine Bar war schon am frühen
Nachmittag voll, allerdings war Manfred es auch meistens. Es
wurde laufend Chicago gespielt und wer diese schöne
Würfelspiel kennt, der weiß, daß alle 5 oder 10 Minuten eine
Runde fällig ist. Die Gäste wechselten im Laufe des Abends,
Manfred aber blieb. Es ist klar, daß er am frühen Abend,
wenn er auch noch kräftig beim Knobeln und Runden vertilgen
mithalten konnte, keinen Überblick mehr über das hatte, was
in seinem Laden geschäftlich lief. Dafür war nun seine
Thai-Frau zuständig: eine stabile, schon etwas angejahrte
Dame, mit einigen dicken Goldketten über dem ansehnlichem
Busen, die hinter der Kasse thronte und die Bedienung
dirigierte. Jedesmal, wenn ich nach ein paar Monaten wieder
nach Pattaya kam, war der Goldschatz, den die Dame vor sich
her trug, um mindestens eine weitere Kette gewachsen.
Aber eines schönen Tages hatte sie genug von ihrem immer
betrunkenen Manfred, oder aber genug Goldketten angesammelt;
wahrscheinlich beides. Als ich wieder einmal nach Pattaya
kam war sie jedenfalls verschwunden. Von da an ging es mit
dem Geschäft bergab. Zwar war der Laden immer noch voll von
Gästen, und Manfred animierte und schluckte wie eh und je.
Da er aber im täglichen Tran nicht in der Lage war, sein
Personal zu kontrollieren, wurde er nach Strich und Faden
ausgenommen und bestohlen. Er wäre mit seinem Laden bald am
Ende gewesen, wenn nicht ein anderer Farang mit seinem,
ebenfalls vor Frau oder Finanzamt geretteten Geld bei ihm
mit eingestiegen wäre. Peter, ein baumlanger Schweizer,
trank keinen Schluck Alkohol, und so ergänzten sich die
beiden bestens. Manfred sorgte für den Umsatz und Peter
dafür, daß die Gäste richtig bedient wurden und die Kasse
stimmte.
Und von hier an wird die Geschichte makaber. Als ich
eines schönen Tages wieder nach Pattaya kam und mich mein
erster Weg in Manfreds Kneipe führte, stand nur noch Peter
hinter der Theke. Auf meine Frage, wo denn Manfred wäre,
meinte er ganz trocken, daß ich den in einem Kühlfach im
Leichenschauhaus der nächsten Kreisstadt besichtigen könne,
wenn ich ihn denn unbedingt sehen wollte. Dort lag er schon
seit über einen Monat, nachdem seine arg strapazierte Leber
die weitere Mitarbeit verweigert hatte, und wartete darauf,
daß sich die deutsche Botschaft und die verlassene Familie
darüber einigten, wer denn nun die Überführungskosten nach
Deutschland bezahlen würde.
Nachdem nun alle Anwesenden in stillem Gedenken an den so
plötzlich Verschiedenen ein Glas oder auch mehrere geleert
hatten, beglückwünschte ich Peter, daß er nun mit seiner
Thai-Frau in Manfreds schöne Wohnung einziehen konnte. Über
dem Lokal befand sich nämlich eine Wohnung mit Blick aufs
Meer und vor allem mit einer kühlen Brise, die nachts durch
das offene Fenster hereinwehte. Peter hingegen hatte mit
seiner Frau beim Eintritt in das Geschäft eine im hinteren
Teil des Hauses gelegene, ursprünglich für das Personal
gedachte, stickige und immer unerträglich heiße Kammer
beziehen müssen.
Mit dieser Bemerkung hatte ich aber gleich in das
richtige Fettnäpfchen getreten. Wütend erklärte mir Peter,
daß er selbstverständlich, nachdem die sterbliche Hülle von
Manfred den Weg in die Kühltruhe angetreten hatte, seine
Sachen aus der Hinterhofkammer in die schöne Wohnung
eingeräumt habe, daß sich dann aber seine Frau standhaft
geweigert hätte, in der neuen Wohnung zu übernachten, da der
Geist des Verstorbenen noch darin weilte. Wenn Peter also
nun nicht alleine schlafen wollte - und das wäre ihm bei
seiner ansehnlichen Frau schwer gefallen - blieb ihm nichts
anderes übrig, als wieder in die alte Kemenate zu seiner
Frau zu ziehen und die schöne Wohnung erst mal leer stehen
zu lassen.
Nun hatten Freunde aus Deutschland für Manfred eine Dose
eingemachter Hausmacher-Leberwurst mitgebracht, ein
begehrter Leckerbissen für jemanden, der schon so lange aus
der Heimat weg ist und eine deutsche Spezialität, die in
Thailand natürlich nicht zu bekommen war. Da nun der
verschiedene Manfred für die Leberwurst keine Verwendung
mehr hatte, war Peter als der augenscheinliche Erbe in den
Besitz dieser Dose gekommen. Er hatte sie aufgemacht, sich
eine köstliche Portion genehmigt und dann die angebrochene
Dose im Kühlschrank deponiert, mit der ausdrücklichen
Weisung an seine Frau und das gesamte Personal, daß die
Wurst ausschließlich für ihn reserviert sei und nicht etwa
an die Gäste verfüttert werden dürfe. Um so erstaunter war
er, als am nächsten Tag aus der Dose eine tüchtige Portion
fehlte. Auf Befragen versicherten ihm seine Frau und das
gesamte Thai-Personal, daß sie die fehlende Wurst weder
gegessen, noch an Gäste ausgegeben hätten. Als am nächsten
Tag nun aber die Dose plötzlich leer war, drehte Peter
durch. Er ging zur intensiveren Befragung über und
beschuldigte seine Frau ihn belogen zu haben. Diese
Beleidigung wollte sie nun nicht auf sich sitzen lassen, und
offenbarte den tatsächlichen Sachverhalt. Die Wurst war
wirklich weder von den Thais gegessen, noch an Gäste
verkauft worden, sondern Peters Frau hatte abends einen
Teller mit einer dicken Portion Leberwurst auf die Treppe zu
Manfreds Wohnung gestellt, um den Geist von Manfred
freundlich zu stimmen und zum Verlassen der Wohnung zu
bewegen. Als morgens der Teller leer war - die Wurst war
nachts natürlich von den Ratten gefressen worden - war sie
sicher, daß Manfreds Geist das Opfer gnädig angenommen
hatte. Zur Sicherheit hatte sie aber in der nächsten Nacht
die Zeremonie mit dem Rest der Wurst wiederholt.
Als Peter diese Geschichte nach vielen hin und her
schließlich rausbekommen hatte, bekam er einen Wutanfall. Da
hatten die geistergläubigen Weiber - das Personal der Bar
war natürlich mit von der Partie - seine schöne Leberwurst
an die Ratten verfüttert. Damit war nun ein handfester
Ehekrach da. Seine Frau drohte, daß sie nicht länger mit so
einem schlechtem Menschen zusammenleben wollte, der so
geizig war, daß er dem Geist seines verstorbenen Freundes
nicht mal eine angebrochene Dose Leberwurst gönnte, wo er
doch genau wußte, wie gerne Manfred die Wurst gegessen
hatte. Und im übrigen hatte sie das ja nur ihrem Mann
zuliebe getan, um endlich in die schöne Wohnung einziehen zu
können. Was blieb Peter also anders übrig; zur
Wiederherstellung des Familien- und Arbeitsfriedens - denn
auch alles Personal der Bar war natürlich der gleichen
Meinung - mußte er sich entschuldigen und das noch durch den
Kauf einer neuen Goldkette für seine Frau bekräftigen.
Damit war die Story aber noch nicht ganz zu Ende. Als
Peter diese Geschichte erzählte, saßen wir mit mehreren
Deutschen vor der Bar, und fielen vor Lachen natürlich fast
vom Hocker. Meine Frau saß, wie sich das so gehört, ein paar
Plätze weiter, nuckelte an einer Flasche Cola und fragte
mich, worüber wir denn so furchtbar lachten. Aber als ich
ihr die Story schließlich mit einiger Mühe übersetzt hatte,
wurde sie plötzlich böse. Sie konnte gar nicht verstehen,
daß die Farangs sich darüber kaputt lachen konnten, daß
Peter dem Geist seines toten Freundes nicht mal ein bißchen
Leberwurst gönnte. Sie für ihr Teil würde von jetzt an
keinen Fuß mehr in das Lokal eines so abgrundtief schlechten
und geizigen Menschen setzen.
|
|
| Zeit
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Thais haben einen wesentlich anderen Zeitbegriff als wir.
Mit unserer Auffassung "Zeit ist Geld" können sie wenig
anfangen. Vor allem auf dem Land - woher ja fast alle Thais
stammen, mit denen man als Tourist zu tun hat - ist Zeit im
Überfluß vorhanden, wogegen Geld mehr als knapp ist.
Man darf sich also nicht wundern, wenn Zeitangaben die
Thais machen nicht unbedingt wörtlich zu verstehen sind. Die
Zusicherung "in ein bis zwei Stunden" bedeutet oft
"irgendwann im Laufe des Tages", und "morgen" heißt nicht
etwa am nächsten Tag, sondern an irgend einem der nächsten
Tage.
Planung und Vorausdenken sind nicht so wichtig, wie in
der Gegenwart zu leben. Es spielt keine Rolle, ob ein Bus in
fünf Minuten oder später abfährt. Geduld ist eine der
wichtigsten Tugenden. Was sich hier und jetzt abspielt, ist
von größerer Bedeutung als ein imaginäres Ziel in der
Zukunft. Unsere Ungeduld, wenn wir über die angegebene Zeit
hinaus auf etwas warten müssen, können Thais deshalb nicht
verstehen.
Erst recht können sie nicht verstehen, und sind
vielleicht sogar beleidigt, wenn ein ungeduldiger Farang
etwa anfängt zu schimpfen oder sich zu beschweren. Über
wartende Farangs, die auf Biegen und Brechen auf die
Einhaltung eines angegebenen Termins beharren, kann man sich
bestenfalls nur amüsieren. Sie verlieren nicht nur die
Fassung, sondern auch ihr Gesicht. Wenn man etwas erreichen
will, verhandelt man besser geduldig mit einem Lächeln im
Gesicht und ohne Rücksicht auf die Zeit.
Bei uns im Dorf wurde ich kürzlich zu einer Versammlung
des Schulgremiums gebeten. Es ging um die neuen Computer,
die die Schule bekommen soll, und als Computerexperte des
Dorfes war ich mit einem amtlichen Schreiben zu der um 8.30
beginnenden Sitzung eingeladen worden. Um 8.30 war aber nur
der Farang anwesend, die anderen Sitzungsteilnehmer
trudelten nacheinander ein, bis wir um 10.00 Uhr vollzählig
waren. Es fiel aber keinem ein, den zu spät kommenden
Vorwürfe zu machen, noch hielt es jemand für erforderlich,
sich mit einer Ausrede zu entschuldigen.
Eine rühmliche Ausnahme vom weitherzigem Umgang mit der
Zeit sind allerdings die meisten öffentlichen Verkehrsmittel
im Land. Die Überlandbusse von den verschiedenen zentralen
Busbahnhöfen in Bangkok und in den großen Städten fahren in
der Regel pünktlich zur fahrplanmäßigen Zeit ab, und sowohl
Züge wie auch Flüge haben in der Regel nicht mehr Verspätung
als bei uns auch.
|
|
|
Hinter Gittern
von Günther Ruffert |
|
Günther Ruffert ist Autor der Bücher
«Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in
welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt.
Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:
Geschichten aus Thailand
+
Farang in Thailand
Als die Gesetze unseres Landes weitgehend beachtender
Europäer, werden wir kaum je in die Lage geraten, ein
Gefängnis von innen zu sehen. Sollte es aber
unglücklicherweise doch einmal dazu kommen, etwa weil man
alkoholisiert einen bösen Unfall verursacht, oder das
Finanzamt zu unverschämt angelogen hat, dann kann man damit
rechnen, daß auch im Gefängnis zivilisierte Zustände
herrschen, und daß die Mühlen der Justiz nach genau
festgelegten, und im Zweifelsfalle immer für den
Beschuldigten auszulegenden Regeln funktionieren. Wer
allerdings in Thailand das Pech hat, in das Räderwerk der
Justiz zu geraten, wird bald feststellen, daß sich hier die
Verhältnisse fundamental von denen in Deutschland
unterscheiden.
Da sind zunächst einmal die Anlässe, aus denen man im
Gefängnis landen kann. Die sicherste Möglichkeit ist
natürlich der Besitz von, oder gar der Handel mit
Rauschgift. Da z.B. Heroin in Deutschland für den
hundertfachen Preis verkauft werden kann, den man im
'Goldenen Dreieck' dafür bezahlt, gibt es immer wieder
Dumme, die auf diese vermeintliche Möglichkeit, eine
schnelle Mark zu verdienen, hereinfallen und entweder auf
eigene Rechnung, oder im Auftrag anonymer Auftraggeber
Heroin aus dem Land schmuggeln wollen. Das läuft dann meist
nach dem folgenden Schema ab: Ein Händler in Chiang Mai oder
Chiang Rai verkauft einem Ausländer Heroin und bekommt gutes
Geld dafür. Anschließend gibt er sofort der Polizei die
Beschreibung der Person oder das Kennzeichen seines
Fahrzeuges an, so daß diese sich an seine Fersen heften
kann. Im Hotel in Bangkok, oder aber bei der Gepäckkontrolle
auf dem Flughafen schlägt dann die Polizei zu. Der den Tip
gebende Verkäufer bekommt eine Belohnung, und die Polizei
kann im Kampf gegen den Rauschgifthandel wieder Erfolge
melden, was wiederum von der in Thailand stark vertretenen
amerikanischen Rauschgiftbehörde entsprechend belohnt wird.
Das beschlagnahmte Heroin geht wahrscheinlich wieder an
seinen Herkunftsort zurück, um den nächsten dummen Ausländer
damit reinzulegen. Der verhaftete Heroinschmuggler muß
hingegen mit der ganzen Strenge der thailändischen Gesetze
rechnen, die für das Schmuggeln von Rauschgift schwere
Gefängnisstrafen bis zu lebenslänglich, und sogar die
Todesstrafe vorsehen. Im günstigsten Falle wird der Sünder
mit mehreren Jahren in thailändischen Gefängnissen, das
heißt in der Hölle, davon kommen. Das aber nur, wenn seine
Familie in der Lage ist, die immensen Summen aufzubringen,
die für die Bezahlung zweifelhafter Anwälte und das
Schmieren der zuständigen Leute erforderlich sind.
Nun wird sich jeder vernünftige Tourist hüten, sich auf
solch ein gefährliches Spiel einzulassen. Dennoch kann es
auch ihm passieren, daß er für kleine Vergehen, die bei uns
höchstens eine Anzeige mit Bußgeld kosten würden, plötzlich
im Gefängnis landet, und eine Menge Zeit, sowie Geld
braucht, um wieder raus zu kommen.
Ein Motorradunfall, bei dem ein Thai verletzt, oder auch
nur sein Fahrzeug beschädigt wird, kann für den Farang
schnell zu einer Straftat werden, selbst wenn er den Unfall
selbst nicht verschuldet hat. Es hat dann vor allem keinen
Zweck sich mit der herbeigerufenen Polizisten anzulegen,
weil man meint selbst unschuldig zu sein. Man landet dann
sehr schnell erst mal hinter Gittern und kommt nur gegen
Zahlung einer saftigen Kautionssumme wieder auf freien Fuß.
Ein zur Klärung der Sachlage und vor allem zum
Wiedererlangung der Kaution hinzugezogener Rechtsanwalt ist
teuer und verlangt oft Unsummen, ohne klarzulegen wofür.
Auch wenn man sich bei einem Streit dazu hinreißen läßt
einen Thai zu schlagen, auch wenn beide Kontrahenten unter
Alkoholeinfluß stehen, landet der Farang in der Regel
ungeachtet der Schuldfrage erst mal im Gefängnis, und kann
froh sein, wenn er ohne Anklage mit einem Bestechungsgeld
für die Beamten davonkommt.
Eine weitere Möglichkeit, mit dem Gesetz in Konflikt zu
geraten ist das in Thailand verbotene Glücksspiel oder das
Spiel um Geld. Es ist schon vorgekommen, das einige Farangs,
an einem schönen Samstag Nachmittag vor einer offenen Bar
sitzend, mit den Barmädchen auf der Theke Domino gespielt
haben, das Spiel um 5 Baht (25 Pfennig). Plötzlich hat sich
ein ebenfalls an der Theke sitzender Thai als Polizist
ausgewiesen, und die ganze Truppe, Barmädchen und Farangs,
wanderte ins Polizeigefängnis. Da es Samstag war, mußten sie
zwei Tage dort sitzen, bis am Montag der Schnellrichter kam
und sie zu saftigen Geldstrafen verurteilte. Die Mädchen
kamen mit 1.000 Baht pro Kopf davon, die Farangs zahlten ein
Mehrfaches dieses Betrages - ein teures Dominospiel !
Ein wichtiges Rechtsprinzip muß der Farang beachten. Wenn
die Polizei Verdacht auf einen Gesetzesverstoß hat, geht er
erst mal ins Gefängnis, wenn er keine Kaution bezahlen kann.
Um die Kaution zurückzubekommen, muß er zum einen seine
Unschuld beweisen, zum anderen lange kämpfen, und viele
bürokratische Hindernisse überwinden.
Thailändische Gefängnisse sind nun nicht mit deutschen
Haftanstalten zu vergleichen. Örtliche Polizeigefängnisse
bestehen meist aus mehreren Zellen von ca. 10 m², die
beiderseits eines Mittelgangs angeordnet sind. Der Boden
besteht aus Beton, in der Ecke befindet sich eine meist
verstopfte Toilette. Die Zellen sind gewöhnlich hoffnungslos
überfüllt, da nicht nur die kleinen Missetäter dort ihre
paar Tage absitzen, sondern auch alle Mörder, Diebe,
Rauschgiftschmuggler usw. dort so lange aufbewahrt werden,
bis sie ins Bezirksgefängnis oder nach Bangkok zur
Verhandlung abtransportiert werden. Schlafen kann man oft
nur im Sitzen. Findet man wirklich Platz zum Liegen, hat man
entweder die ungewaschenen Füße des Nachbarn im Gesicht oder
dient gleichzeitig als Kopfkissen für mehrere Mitbewohner.
Es stinkt natürlich erbärmlich und ist dazu noch
unerträglich heiß. Zu essen gibt es zweimal täglich eine
Handvoll Reis, mit etwas Fleisch und Gemüse auf einem alten
Stück Zeitungspapier serviert. Kurz, wer einmal ein paar
Tage in solch einem Hotel verbracht hat, wird jede
aufzubringende Summe zahlen, um es schnellstens wieder
verlassen zu können.
Über die Verhältnisse in den regelrechten Strafanstalten,
in die rechtskräftig Verurteilte verlegt werden, sind schon
einige Erzählungen erschienen, die - mit Ausnahme der
Selektionen für die Gasöfen - sich nicht sehr von den
Berichten über die Zustände in deutschen KZs unterscheiden.
Gefangene mit schweren Strafen tragen Ketten und werden
nachts damit angeschlossen. Allerdings ist es auch hier wie
überall in Thailand möglich, die Standardbedingungen durch
entsprechende Zahlungen an das Wachpersonal stark zu
verbessern. Das setzt natürlich voraus, daß jemand außerhalb
des Gefängnisses bereit und in der Lage ist, die nötigen
Mittel aufzubringen.
|
|
| |